Prophezeihung

RWE verleiht Forderung unbegrenzter Atommeiler-Laufzeiten Nachdruck

Der Essener Energiekonzern RWE rechnet damit, dass die Betreiber von Kernkraftwerken in der beginnenden Legislaturperiode "mindestens fünf" Anträge auf Übertragung von Stromkontingenten von neuen auf alte Meiler stellen werden, berichtet "Die Zeit" vorab. RWE plädiert dafür, die Laufzeitbeschränkung aufzuheben.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (ddp/sm) - Der Essener Energiekonzern RWE nutzt offenbar den Streit zwischen Union und SPD über die weitere Nutzung der Atomkraft, um seiner Forderung nach unbegrenzten Laufzeiten für Kernkraftwerke Nachruck zu verleihen.

Wie die Wochenzeitung "Die Zeit" unter Berufung auf ein RWE-Papier heute vorab berichtet, rechnet der Konzern damit, dass die Betreiber von Kernkraftwerken in der gerade angelaufenen Legislaturperiode mindestens fünf Anträge auf Übertragung von Stromkontingenten von neuen auf alte Meiler stellen werden. In dem Papier, das der Konzern an einzelne Bundestagsabgeordnete verteile, heiße es weiter, jeder Antrag würde "zwangsläufig eine kontroverse Diskussion auslösen".

RWE plädiere stattdessen dafür, die mit der rot-grünen Regierung vereinbarte Laufzeitbeschränkung aufzuheben. Eine unbegrenzte Laufzeit trage nicht nur zu Minderung der Kohlendioxid-Emission, sondern auch zur Stabilisierung der Strompreise bei.

Das Umweltbundesamt hatte erst am Montag vor einer Verlängerung der Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke gewarnt. Weder sei die Frage der Endlagerung radioaktiver Abfälle geklärt, noch gebe es eine Stimmung in der Bevölkerung zu einer Abkehr vom vereinbarten Atomausstieg, sagte Behörden-Chef Andreas Troge in einem Zeitungsinterview. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) legte heute nach: Die Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke würde das atomare Risiko noch einmal erhöhen und das Atommüllproblem verschärfen. Laut BUND kann die Atomkraft keine Antwort auf die Klimaproblematik sein.

Auch die Umweltorganisation Greenpeace warnte davor, den Atomausstieg und den Klimaschutz zu Gunsten der Interessen einiger Gewerkschafts- und Industrievertreter zu opfern. "Trotz der umwelt- und volkswirtschaftlichen Risiken wollen der BDI, die Stromkonzerne und die Gewerkschaften den Menschen in Deutschland das Risiko eines Super-GAUs noch länger aufbürden", kritisierte Thomas Breuer, Atomexperte von Greenpeace.

Die FDP forderte unterdessen eine Kraftwerksmodernisierung als Gegenleistung für Laufzeitverlängerungen. "Laufzeiten von Kernkraftwerken sind nicht politisch-ideologisch zu entscheiden, sondern primär nach Erfordernissen der Sicherheitstechnik, des Klimaschutzes und der Wirtschaftlichkeit. Entweder ein Kernkraftwerk ist sicher, oder es ist nicht sicher. Wenn es die Sicherheitsanforderungen erfüllt, muss man es betreiben dürfen. Wenn nicht, muß es abgeschaltet werden", sagte das für Umweltpolitik zuständige FDP-Präsidiumsmitglied Birgit Homburger. Im Gegenzug für Laufzeitverlängerungen müssten die EVU angemessene Investitionen in die Modernisierung des Kraftwerksparks tätigen.

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