Halbjahreszahlen

RWE trotzt Wirtschaftskrise dank höherer Strompreise (Upd.)

Der zweitgrößte deutsche Energiekonzern RWE hat die Wirtschaftskrise im ersten Halbjahr mit einem Absatzrückgang bei Strom und Gas gespürt. Trotzdem stiegen die Gewinne höher als erwartet, und zwar wegen der höheren Strompreise.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Essen (ddp/red) - Höhere Strompreise und ein fast um das Zwanzigfache gestiegenes Ergebnis der Handelssparte ließen die Gewinne jedoch über Erwarten steigen. Daher bekräftigte der Essener Versorger mit knapp 67 000 Beschäftigten am Donnerstag seine Prognose. "Das erste Halbjahr bestätigt, dass wir unsere wesentlichen Ergebnisziele für das Jahr 2009 trotz der Wirtschaftskrise voraussichtlich erreichen können", sagte Vorstandschef Jürgen Großmann.

Der Umsatz fiel den Angaben zufolge in den ersten sechs Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,4 Prozent auf 24,4 Milliarden Euro. Währungsbereinigt habe sich ein leichter Anstieg gezeigt, teilte das Unternehmen weiter mit. Zur Stabilität der Erlöse trugen dabei die gestiegenen Strompreise bei.

Der Stromabsatz des DAX-Konzerns sank in den ersten sechs Monaten um 11,4 Prozent, der Gasabsatz schrumpfte um 8,3 Prozent, was RWE auch mit der niedrigeren Nachfrage der Industriekunden begründete. Dabei bediente sich RWE vermehrt externer Zulieferer. Die eigene Stromerzeugung lag im ersten Halbjahr 21 Prozent unter dem Vorjahreswert. Hier machten sich die fast vollständigen Ausfälle der beiden Blöcke des Atomkraftwerks Biblis bemerkbar. Beide Blöcke sind derzeit wegen einer langen Revision vom Netz getrennt.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wuchs den Angaben zufolge von 4,9 Milliarden Euro auf 5,1 Milliarden Euro, das betriebliche Ergebnis stieg von 3,9 Milliarden Euro auf 4,1 Milliarden Euro. Das Nettoergebnis verzeichnete fast eine Verdopplung auf 2,2 Milliarden Euro nach 1,2 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum.

Im Jahr 2008 hatte die Beteiligung an American Water negativ zu Buche geschlagen, als aus dem Börsengang dieser Sparte Abwertungsbedarf in der Bilanz entstanden war. Zudem machten sich Wertzuschreibungen von Derivategeschäften positiv bemerkbar, wo RWE statt eines Aufwands von 430 Millionen Euro im Jahr 2008 einen Ertrag von 514 Millionen Euro verbuchte.

Der Konzern bekräftigte seine Prognose. Umsatz, Ebitda, betriebliches Ergebnis und Nettoergebnis sollen 2009 auf Vorjahreshöhe liegen. 2008 wurde bei einem Umsatz von 49 Milliarden Euro ein Nettoergebnis von 3,4 Milliarden Euro erwirtschaftet. Dass RWE trotz des nach sechs Monaten verzeichneten Zuwachses die Prognose nicht erhöht, begründete der Essener Konzern unter anderem mit dem Ausfall von Biblis sowie dem schwierigen Geschäft in Großbritannien.

NordLB-Analyst Heino Hammann bezeichnete die Zahlen von RWE in einer ersten Einschätzung als überzeugend. Sie zeigten, dass die Marge in den zurückliegenden Monaten gehalten werden konnte. Im über der Erwartung ausgefallenen Ergebnis liege die positive Überraschung. An der Börse kam der Halbjahresbericht allerdings nicht so gut an. Bis zum Nachmittag verlor das DAX-Papier 0,1 Prozent auf 59,45 Euro.

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