Bündelung und Verschlankung

RWE stellt neue Konzernstruktur vor

Harry Roels, seit Februar Vorstandsvorsitzender des größten deutschen Energiekonzerns RWE, hat gestern in Essen seinen Umbauplan vorgelegt. Die neue Konzernstruktur sieht u.a. eine Verschlankung des Konzerns, den Abbau von 1000 Stellen und die Zusammenlegung von Strom und Gas und damit von Erzeugung und Vertrieb vor.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Harry Roels: "Unsere starke regionale Kundenorientierung ist der wichtigste Eckpunkt unserer neuen Konzernstruktur. Diese Struktur hat der Vorstand gemeinsam mit 150 Führungskräften aus dem Konzern entwickelt." Die neue Konzernorganisation soll zum 1. Oktober 2003 umgesetzt werden und Kosteneinsparungen von 300 Millionen Euro erwirken.

Reduzierung der Führungsgesellschaften auf sieben

Der Umbauplan, der gestern auch vom Aufsichtsrat genehmigt wurde, sieht u.a. die Verringerung der Anzahl der Führungsgesellschaften von 13 auf siebem vor. Alle sieben Führungsgesellschaften firmieren erstmalig geschlossen unter der Dachmarke RWE. Die RWE AG will sich als schlankes Group Center auf konzernsteuernde Aufgaben wie Strategie, Planung, Controlling, Finanzierung, Kommunikation und die konzernweite Entwicklung des Top-Managements konzentrieren. Im Vorstand der RWE AG wird Harry Roels neben seinen Aufgaben als Vorstandsvorsitzender die operativen Ressorts "Vertrieb und Netze" und "Wasser" verantworten. Dr. Klaus Sturany leitet weiterhin die Ressorts "Finanzen" und "Controlling". Dr. Gert Maichel übernimmt die operativen Ressorts "Erzeugung und Gewinnung", "Energie Großbritannien" und "Trading" sowie das Ressort "Energiepolitik". Jan Zilius verantwortet neben "Recht" und "Personal" zukünftig die Ressorts "Umweltdienstleistungen" und "Corporate Services". Im Konzern wird mit dem Group Business Committee ein neues Führungsgremium eingerichtet. Dieses besteht aus den Vorständen der RWE AG und Vorstandsvorsitzenden der operativen Gesellschaften im Kerngeschäft.

RWE Power

Der kontinentaleuropäische Kraftwerkspark und die Förderung von Braunkohle werden in der neuen Gesellschaft "RWE Power" (rund zehn Milliarden Euro Umsatz / 26 000 Mitarbeiter) gebündelt. Die Gesellschaft wird einen Doppelsitz in Essen und Köln haben. Mit dieser Entscheidung will RWE auch die künftige Bedeutung der Braunkohle für einen ausgewogenen Energiemix bei der Stromerzeugung des Konzerns unterstreichen. Als Vorstandsvorsitzender der neuen Gesellschaft ist Berthold Bonekamp vorgesehen. RWE Power führt auch die Bereiche "Erneuerbare Energien" (Harpen) sowie "Aufschluss und Gewinnung von Öl und Gas" (RWE Dea).

RWE Energy

Die Gesellschaften RWE Plus, RWE Gas und RWE Net werden in der neuen Führungsgesellschaft "RWE Energy" (über 18 Milliarden Euro Umsatz / 42 000 Mitarbeiter) zusammengeführt. Die Gesellschaft wird ihren Sitz in Dortmund haben. Als stellvertretender Vorsitzender und Finanzvorstand ist Heinz-Werner Ufer vorgesehen - bis auf weiteres übernimmt er auch den Vorstandsvorsitz der Gesellschaft. In RWE Energy bündelt der Konzern seine Produktangebote in einer Gesellschaft. Unter dem Dach von RWE Energy werden in Kontinentaleuropa zwölf Vertriebs- und Netzregionen für Strom und Gas gebildet, davon sechs in Deutschland. Dazu gehören die Regionalgesellschaft Mitte (Essen) und die Regionalgesellschaft Nord (Dortmund), die den integrierten Strom- und Gasvertrieb im bisherigen RWE-Direkt-Vertriebsgebiet übernehmen. RWE Solutions ist RWE Energy zugeordnet. Die Übertragungsnetze werden in drei Gesellschaften betrieben: jeweils eine Gesellschaft für Strom- und Gasnetze in Deutschland sowie Transgas für das tschechische Ferngasnetz. Mit der neuen Struktur sollen schon jetzt die Weichen für die Erfüllung von Unbundling-Vorschriften der EU gestellt werden, die bis 2007 umgesetzt sein müssen. Die vorgesehenen Änderungen bei RWE Gas bedürfen allerdings noch weiterer Verhandlungen und der Zustimmung der kommunalen Aktionäre von RWE Gas.

RWE Innogy und RWE Thames Water

RWE Innogy bleibt Führungsgesellschaft für das Energiegeschäft in Großbritannien. RWE Thames Water zeichnet weiterhin für das weltweite Wassergeschäft von RWE verantwortlich. Die Zusammenarbeit zwischen RWE Innogy und RWE Thames Water wird über das schon eingerichtete Shared Service Center ausgeweitet.

RWE Trading, RWE Umwelt und RWE Systems

Die Rolle der Führungsgesellschaft RWE Trading als Schnittstelle des Konzerns zum Energie-Großhandelsmarkt und als Drehscheibe für konzernweite Commodities (Strom, Gas, Kohle, Öl) wird durch die Übernahme des Tradinggeschäfts von RWE Innogy gestärkt. RWE Umwelt steuert die gesamten Umweltdienstleistungen im Konzern. RWE Systems ist weiterhin Dienstleister für konzernübergreifende Serviceaufgaben.

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