Talfahrt

RWE rutscht weiter ab - Verbraucherpreise bleiben stabil

Bei RWE sinken zwar die Gewinne, so schlecht wie dem Konkurrenten Eon geht es dem zweitgrößten Energiekonzern Deutschlands aber noch lange nicht. So musste RWE kein Abschreibungen auf seine Kraftwerke vornehmen. Außerdem profitiert das Unternehmen von dem Verkauf der Gasfördertochter Dea zu Beginn des Jahres.

RWE© RWE AG

Essen (dpa-AFX/red) - Der zweitgrößte deutsche Energiekonzern RWE bleibt auf Talfahrt. In den ersten neun Monaten dieses Jahres sackte der betriebliche Gewinn um knapp neun Prozent auf 2,6 Milliarden Euro ab, wie RWE am Donnerstag in Essen mitteilte. Immerhin gibt es für die RWE-Endkunden eine gute Nachricht: Die Preise für Strom und Gas sollen vorerst konstant bleiben, kündigte RWE bereits vorab an.

Hauptgrund ist der Verfall der Strompreise im Großhandel. Deshalb verdienen die Großkraftwerke immer weniger. Hinzu kommen hausgemachte Probleme im britischen Stromgeschäft. Zudem belastete eine hohe Steuerquote. Das ließ den um Sondereffekte bereinigten Nettogewinn um fast 29 Prozent auf 545 Millionen Euro sinken.

RWE-Gewinn stieg um 95 Prozent an

Unter dem Strich stand allerdings ein kräftiger Gewinnanstieg von 95 Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro. Dabei machte sich der Sondergewinn aus dem milliardenschweren Verkauf der Öl- und Gasfördertochter Dea im ersten Quartal bemerkbar. Das ließ die Schulden in den ersten neun Monaten um gut fünf Milliarden Euro auf 25,8 Milliarden Euro sinken. Die Zahlen lagen etwas über den Erwartungen von Analysten. RWE-Aktien lagen vorbörslich im Plus, während der deutsche Leitindex Dax zunächst auf der Stelle trat.

Keine Abschreibungen auf konventionelle Kraftwerke

Anders als der Konkurrent Eon, der am Vortag einen Rekordverlust vermelden musste, verzichtete RWE auf weitere Abschreibungen auf seine Kraftwerke. An der Prognose hielt der Vorstand fest. Demnach soll das um Sondereffekte bereinigte Nettoergebnis weiter bei 1,1 bis 1,3 Milliarden Euro landen, 2014 waren es noch 2,3 Milliarden. RWE schränkte allerdings ein, dass die Vorgabe eventuell nur knapp erreicht werde.

Geschäfte in Osteuropa laufen gut

Beim betrieblichen Ergebnis erwartet das Management einen Rückgang von bis zu gut zehn Prozent auf 3,6 bis 3,9 Milliarden Euro. Während es im Energiehandel schlechter läuft als ursprünglich erwartet, rechnet der Vorstand in der Osteuropa-Sparte nun mit einem deutlich besseren Ergebnis als vor einem Jahr. Hauptgrund ist eine Änderung bei der Bilanzierung der slowakischen Tochter VSE. Als immer stärkere Stütze erweist sich auch das Geschäft mit erneuerbaren Energien.

Strompreise an der Börse haben sich halbiert

Die großen Energiekonzerne leiden zunehmend unter dem Verfall der Strompreise. Das liegt am Boom des Ökostroms, der den Strom aus den konventionellen Kraftwerken verdrängt. So haben sich die Preise an der Leipziger Strombörse EEX in den vergangenen vier Jahren halbiert. Damit brechen die Gewinnaussichten der Großkraftwerke ein.

Wettbewerber Eon hat deshalb in der Neunmonatsbilanz Abschreibungen von 8,3 Milliarden Euro auf seine Kohle- und Gaskraftwerke vorgenommen. Die Düsseldorfer hatten die Wertüberprüfung wegen ihrer geplanten Aufspaltung vorgezogen.

Technische Probleme in Großbritannien

RWE kämpft mit Problemen in seinem britischen Geschäft. So gibt es wegen eines fehlerhaften Computerprogramms Schwierigkeiten bei der Abrechnung von Privatkunden. Das sei keine gute Visitenkarte für RWE, räumte Vorstandschef Peter Terium im Zwischenbericht ein. Das führt auch zu herben Kundenverlusten und roten Zahlen. Wichtige Manager bei der Tochter Npower hat RWE inzwischen ausgetauscht.

Politisches Entgegenkommen stärkt Aktien ein wenig

Der Konzern stand an der Börse in diesem Jahr lange schwer unter Druck. Zeitweise hatten die Aktien seit Jahresbeginn fast zwei Drittel an Wert verloren. Das lag nach Einschätzung von RWE-Chef Terium vor allem an politischen Unsicherheiten. Zuletzt erholten sich RWE-Papiere aber wieder etwas.

Grund waren gute Nachrichten für den Konzern aus Berlin. So bescheinigte ein Gutachten der Bundesregierung den vier deutschen Atomkonzernen, ausreichend Rückstellungen für die Kosten des Atomausstiegs gebildet zu haben. Damit drohen hier zumindest kurzfristig keine Belastungen. Zudem verzichtet das Bundeswirtschaftsministerium auf die geplante Klimaabgabe für alte Kohlekraftwerke. Stattdessen erhält der Konzern für das Abschalten einiger Braunkohlemeiler nun Entschädigungen.

Bislang versucht RWE anders als der Konkurrent Eon die Krise als Ganzes durchzustehen. Allerdings hielt sich Vorstandschef Peter Terium zuletzt eine Aufspaltung des Konzerns nach Eon-Vorbild ausdrücklich offen.

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