Kein Spekulant

RWE: Keine Strompreiserhöhung bis Jahresende

Bei der Vorlage der Halbjahreszahlen heute in Essen hat sich der Chef des größten deutschen Energiekonzerns RWE, Harry Roels, deutlicher als zuvor gegen die wachsende Kritik von Kunden und Verbraucherverbänden an den steigenden Strompreisen gewehrt. Strom sei eine Ware und RWE kein Spekulant, sagte er.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Essen (ddp/sm) - Verschnaufpause auf dem Strompreiskarussell: Die Haushaltskunden des Essener Energiekonzerns RWE müssen für ihren Strom in diesem Jahr nicht mehr tiefer in die Tasche greifen. Der Konzernvorstand schloss bei Vorlage der Halbjahreszahlen heute in Essen weitere Preiserhöhungen für 2005 aus. Für die Preisgestaltung des nächsten Jahres sei man derzeit "in der Bewertung". Angesichts der "explodierenden Gas- und Ölpreise" müsse aber mit weiteren Erhöhungen gerechnet werden. RWE versorgt nach eigenen Angaben 7,2 Millionen Haushalte und 400 000 Firmen mit Strom, Gas und Wasser.

Deutlicher als zuvor wehrte sich Vorstandschef Harry Roels gegen die wachsende Kritik der Kunden an den steigenden Strompreisen. "Strom ist eine Ware, deren Preis vom Markt bestimmt wird und nicht von einzelnen Unternehmen. Das können wir nicht beeinflussen", betonte er. "Wir sind kein Spekulant, der kurzfristig von den höheren Strompreisen profitiert." Neben deutlich gestiegenen Brennstoffkosten seien derzeit vor allem die Preise für die Emissionszertifikate im Handel mit dem Ausstoß von Treibhausgasen Preistreiber auf dem europäischen Strommarkt.

Der RWE-Chef verwies zudem darauf, dass allein politische und damit staatliche Faktoren wie Ökosteuer und die Förderung von erneuerbaren Energien 40 Prozent des Strompreises ausmachten. Das seien 15 Prozentpunkte mehr als 1998, dem Startjahr der Strommarktliberalisierung. Die eigentliche Stromlieferung sei dagegen derzeit 16 Prozent preiswerter zu haben als 1998.

Vor allem höhere Strompreise im Heimatmarkt, ein umfassendes Sparprogramm und der Abbau von Verbindlichkeiten ließen beim größten deutschen Stromversorger auch in den ersten sechs Monaten die Kassen klingeln. Das Betriebsergebnis legte zum Vorjahr um fünf Prozent auf 3,46 Milliarden Euro zu. Der Nettogewinn kletterte um 5,2 Prozent auf 1,43 Milliarden Euro. Der Umsatz sank durch Verkäufe und Währungseffekte zwar um 1,8 Prozent auf 20,7 Milliarden Euro, stieg aber bereinigt um diese Sondereffekte um 13 Prozent. Für das Gesamtjahr hält RWE an seiner Prognose fest, das Betriebsergebnis bei einem leicht rückläufigen Umsatz im einstelligen Prozentbereich zu steigern.

Mit Blick auf das im niederrheinischen Neurath geplante neue Braunkohlekraftwerk will RWE nach Worten von Roels "voraussichtlich im Herbst" endgültig über die Investition entscheiden. Die Bezirksregierung Düsseldorf hatte im Juni die Baugenehmigung für die 2100-Megawatt-Doppelblockanlage erteilt. Der Bau des 2,2 Milliarden Euro teuren Meilers soll bis zur geplanten Inbetriebnahme 2010 in der Region 4000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.

In einer möglichen Verlängerung der Laufzeiten für die deutschen Kernkraftwerke sieht Roels keinen Einfluss auf geplante weitere Investitionen in Kraftwerke. RWE will in den nächsten 15 Jahren etwa zwölf Milliarden Euro in die Stromerzeugung stecken. Eine Verlängerung der Laufzeiten wäre aber in jedem Fall volkswirtschaftlich sinnvoll, sagte Roels. Ohne die Kernkraft würden die Strompreise in Deutschland noch höher ausfallen, da dann die Abhängigkeit von Stromimporten wachse.

Von Frank Bretschneider

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