Prognosen

RWE hebt mittelfristige Ziele an (Upd.)

Der zweitgrößte deutsche Energiekonzern RWE will trotz der Wirtschaftskrise weiter wachsen. Für 2009 prognostizierte der Versorger am Donnerstag in Essen eine "erfolgreiche Entwicklung" und eine "stabile Ertragslage".

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen (ddp/sm) - "2009 wird aus heutiger Sicht ein gutes Jahr. Das können wir schon jetzt mit reinem Gewissen sagen", sagte Vorstandschef Jürgen Großmann am Donnerstag in Essen.

Demnach hat RWE für 2009 bereits mehr als 90 Prozent seiner Stromproduktion zu festen Preisen auf Termin verkauft. Für 2010 seien bereits 70 Prozent gesichert, sagte Großmann bei der Bilanzvorlage. "Unser Geschäftsmodell ist wetterfest, unsere Finanzen sind es auch", fügte er hinzu. Die krisenbedingten Rückgänge bei Strom-Großkunden etwa aus der Eisen- und Stahlindustrie seien bislang durch die anhaltend kalte Winterwitterung mehr als aufgefangen worden: "Wir haben in nahezu allen Regionen Stromabsatzgewinne."

Vor diesem Hintergrund geht RWE davon aus, 2009 ein Betriebs- und Nettoergebnis auf Vorjahreshöhe zu erwirtschaften. Auch den Aktionären, die für 2008 4,50 Euro je Anteilsschein erhalten sollen, stellte Großmann Stabilität in Aussicht: "Wir werden alles tun, damit es für die Schlaglöcher der Krisen einen ordentlichen Dividenden-Airbag gibt", versicherte er. 2007 waren noch 3,15 Euro je Aktie ausgeschüttet worden. Im vergangenen Jahr hatte RWE seinen Umsatz gegenüber 2007 um 15 Prozent auf 49 Milliarden Euro gesteigert. Das betriebliche Ergebnis verbesserte sich um 5,0 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro.

Das Nettoergebnis hat sich nach RWE-Angaben um 4,1 Prozent auf knapp 2,6 Milliarden Euro reduziert. Hier schlugen nach Ansicht von Analysten Belastungen aus dem Börsengang der US-Tochter American Water zu Buche. Die RWE-Aktie verlor bis 13.15 Uhr 2,4 Prozent auf 51,39 Euro.

Für die privaten RWE-Haushaltskunden wird 2009 unterdessen ein Jahr der gemischten Gefühle: Zum einen will der Konzern wegen des weiter gesunkenen Ölpreises zum 1. April den Gaspreis um weitere 12 Prozent senken. Die Preissenkung vom 1. Januar eingerechnet ergebe sich daraus eine Gesamtsenkung von rund 18 Prozent, sagte Großmann. Andererseits kündigte er ebenfalls für den 1. April eine Strompreiserhöhung an. Weitere Gaspreissenkungen und Strompreiserhöhungen seien dann zunächst nicht mehr geplant.

Auch mit Blick auf das langfristige Geschäft zeigte sich RWE zuversichtlich. Der Vorstand hob die mittelfristigen Ziele an, denen zufolge das betriebliche Ergebnis bis 2012 je nach Strompreisentwicklung um jährlich durchschnittlich fünf bis zehn Prozent zulegen soll. Bisher war man von fünf Prozent Plus ausgegangen. Auch an seinem Investitionsprogramm will RWE festhalten und bis 2012 rund 26 Milliarden Euro in Kraftwerke, Netze, erneuerbare Energien sowie Gaspipelines und die Förderung von Öl und Gas investieren.

Punkten will RWE auch mit dem Kauf des größten niederländischen Energiekonzerns Essent, der bis zum Herbst abgeschlossen werden soll. "Mit Essent werden wir führend in Nordwesteuropa", sagte Großmann. Weitere Zukäufe schloss er nicht aus. Diese hätten dann aber nicht die Größenordnung von Essent.

Mit Blick auf die Energiepolitik erneuerte der RWE-Chef seine Forderung nach einem Festhalten an der Kernenergie. Nur durch eine Verlängerung der Laufzeiten könne die Abhängigkeit von Gasimporten und eine Kapazitätslücke bei der Energieversorgung vermieden werden. "Wir sollten uns ein Beispiel an den Schweden nehmen, die sich vor 30 Jahren gegen die Kernenergie entschieden und jetzt den Ausstieg aus dem Ausstieg beschlossen haben", so Großmann.

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