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RWE hat Verkaufsprozess für Gasnetz gestartet

Der Essener Energiekonzern RWE hat mit dem Verkauf seines Ferngasnetzes begonnen. Man habe potenzielle Interessenten angeschrieben, bis zum 25. August das Kaufinteresse am Gasnetz schriftlich zu bestätigen, sagte eine RWE-Sprecherin am Mittwoch. Zudem hat RWE unerwartet gute Halbjahreszahlen vorgelegt.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Essen (ddp/red) - Mit den bereits Ende Juli verschickten Anschreiben zur Interessenbekundung der potenziellen Bieter wolle RWE zunächst das Interesse des Marktes testen. Den entsprechenden Interessenten soll dann Einblick in den eingerichteten Datenraum gegeben werden, hieß es weiter. Erst dann sei mit konkreten Verkaufsverhandlungen zu rechnen. Bis Ende des Jahres solle der Verkauf des Netzes dann abgeschlossen sein.

RWE wollte sein Gasnetz schon länger zum Verkauf stellen. Allerdings verzögerte sich die Regulierung durch die Bundesnetzagentur, so dass potenzielle Käufer keine verlässliche Kalkulationsgrundlage für künftige Erträge hatten. Das kommunale Gasunternehmen Bayerngas hatte mehrfach Interesse bekundet. In Branchenkreisen hieß es, das Unternehmen wolle bei einer Akquisition mit einem Konsortium von fünf westdeutschen Kommunalversorgern zusammenarbeiten. Der Wert des Netzes wurde auf 600 Millionen Euro taxiert.

Im Juni 2008 hatte RWE der Europäischen Kommission angeboten, das Fernleitungsnetz mit einer Gesamtlänge von rund 4000 Kilometern zu verkaufen, sofern damit ein langwieriges Wettbewerbsverfahren zu vermeiden wäre. Im März hatte die EU-Behörde das Angebot akzeptiert und das Verfahren wegen möglicher Wettbewerbsverstöße im deutschen Gasmarkt beendet.

Am Donnerstag bekräftigte der Essener Versorger die Gewinnprognose für das laufende Jahr. Obgleich im ersten Halbjahr Umsatz und Ergebnisse unerwartet kräftig gesteigert werden konnten, befürchtet der Konzern, die mittelfristigen Wachstumsziele wegen der energiepolitischen Unsicherheiten in Deutschland nicht erreichen zu können. Auch die Konkurrenz von E.ON hatte am Mittwoch auf die politische Unsicherheit in der Frage der Kernenergie hingewiesen. Die Pläne der Bundesregierung, den Verbrauch nuklearer Brennelemente zu besteuern, "würde unsere Ertragskraft erheblich schmälern", wird der Vorstandsvorsitzende Jürgen Großmann zitiert.

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