Atomstrom

RWE hat Reststrom auf Biblis B übertragen (Upd.)

Der Energiekonzern RWE hat Reststrommengen vom stillgelegten Kraftwerk Mülheim-Kärlich auf das Kernkraftwerk Biblis B übertragen. Damit beträgt die Reststrommenge von Biblis B nun 13.989 GWh. Von Seiten der Opposition im hessischen Landtag hagelte es Kritik. RWE stelle die Profitinteressen über die Sicherheit der Bevölkerung.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Salzgitter (ddp/red) - Der Kernkraftwerksbetreiber RWE Power hat zum 28. Juni 2010 eine Reststrommenge von 8.100 Gigawattstunden (GWh) vom stillgelegten Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich auf das Kernkraftwerk Biblis B übertragen. Damit beträgt die Reststrommenge zum 30. Juni 2010 nun 13.989 GWh statt bisher 5.889 GWh. RWE Power hat die Übertragung gegenüber dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) angezeigt.

Übertragung ohne behördliche Zustimmung möglich

Im Zuge des Atomkonsens' wurden im Jahr 2002 Reststrommengen für alle Kernkraftwerke im Atomgesetz festgeschrieben. Dabei wurde die Möglichkeit vorgesehen, Strommengen ohne behördliche Zustimmung von älteren auf neuere Kernkraftwerke zu übertragen. Für das stillgelegte Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich wurde festgelegt, dass eine Strommenge von 107.250 GWh auf andere Kernkraftwerke übertragen werden darf. Eine Zustimmung zur Übertragung ist hierfür nicht erforderlich.

Strommengenübertragungen müssen gemeldet werden

Strommengenübertragungen sind dem Bundesamt für Strahlenschutz zu melden. Das BfS dokumentiert und veröffentlicht die verbliebenen Reststrommengen der einzelnen Kernkraftwerke. Der Kraftwerksblock Biblis B soll mindestens 210 grundlegende und schwerwiegende Sicherheitsmängel aufweisen und seine Laufzeit durch die Reststromübertragung auf 2012 verlängert haben.

Die Grünen kritisieren RWE scharf wegen der Übertragung von Reststrommengen auf das Atomkraftwerk Biblis B. "Wir sind empört, dass RWE alles versucht, um die vorgesehene Abschaltung zu unterlaufen", sagte Tarek Al-Wazir, Fraktionsvorsitzender der Grünen im hessischen Landtag, der "Frankfurter Rundschau" (Mittwochsausgabe). Das zeige, dass der Energiekonzern die Profitinteressen über die Sicherheit der Bevölkerung stelle, zumal der letzte Störfall in Biblis noch nicht einmal eine Woche zurückliege.

Wenige Wochen nach der Wahl

Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Norbert Schmitt bezeichnete die Übertragung der Strommengen des Atomkraftwerks Mülheim-Kärlich auf Biblis B als "unverantwortliches Handeln". Es sei "unglaublich, wie der Energieriese RWE Verträge bricht und der Bevölkerung Risiken auferlegt, um seine Gewinne steigern zu können." Die Bekanntgabe des Vorhabens wenige Wochen nach der Landtagswahl in NRW zeige, wie das Unternehmen die Wirkung auf eine Wahl einschätze "und wie schlecht das Gewissen von RWE bei dieser Manipulation des Atomkonsenses ist."

Am vergangenen Freitag hatte RWE mitgeteilt, dass es zu einer kurzzeitigen Unterbrechung der Stromversorgung gekommen sei; ein Teil Notstandssystems von Block B sei für etwa eine Minute spannungslos gewesen.

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