2011 in Betrieb

RWE: Grundsteinlegung für Steinkohlekraftwerk in Hamm (Upd.)

Kanzlerin Merkel und NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (beide CDU) haben heute den Grundstein für ein neues Steinkohlekraftwerk in Hamm legen. Merkel betonte dabei die erneut die Notwendigkeit neuer Kohlekraftwerke für Deutschland. Bei den Grünen dagegen stößt der Kraftwerksbau auf scharfe Kritik.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Hamm (ddp-nrw/sm) - Der Bau des neuen Kraftwerks ist nach Angaben der Düsseldorfer Staatskanzlei mit rund zwei Milliarden Euro derzeit eines der größten Investitionsprojekte in Deutschland. An der neuen Anlage sind neben der RWE Power AG auch 23 Stadtwerke aus Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz beteiligt.

Die neue Anlage soll den Angaben zufolge im Jahr 2011 in Betrieb gehen und eine Leistung von 1600 Megawatt aufweisen. Die in der Arbeitsgemeinschaft GEKKO (Gemeinschaftskraftwerk Steinkohle) zusammengeschlossenen kommunalen Unternehmen sollen über einen Anteil von 350 Megawatt verfügen.

Der Vertrag hat nach Angaben des Unternehmens eine Laufzeit von 25 Jahren. An der Investitionssumme von zwei Milliarden Euro sind die Stadtwerke mit mehr als 450 Millionen Euro beteiligt.

Merkel: Energiemix aus Kohle, Erneuerbaren und Atomkraft nötig

Merkel betonte bei der Grundsteinlegung im nordrhein-westfälischen Hamm, nur durch neue und leistungsfähige Kraftwerke könne sich Deutschland auch künftig weiter selbst mit Strom versorgen. Wer Kraftwerksneubauten verhindere, nehme "schwere Risiken" für Wirtschaft, Arbeitsplätze und die Zukunft Deutschlands in Kauf. Ein "Nein" zu neuen und modernen Kraftwerken sei zudem auch umwelt- und klimapolitisch "kontraproduktiv".

Darüber hinaus plädiert Merkel für die Beibehaltung des Energiemixes aus Kohle, Kernkraft und erneuerbaren Energien. "Wir brauchen die fossilen Energieträger und den Ausbau der erneuerbaren Energien", sagte sie. Mit Blick auf die anhaltende Debatte um einen Atomausstieg rief sie die Parteien zu einer "Initiative der Vernunft" auf: "Die Laufzeit der Kernkraftwerke muss so gestaltet werden, dass wir zu einer vernünftigen Preisbildung kommen."

Die Bundeskanzlerin betonte, Deutschland dürfe auch künftig nicht von ausländischen Stromlieferungen abhängig werden. "Die Energieerzeugung ist eine Stärke des Standorts Deutschlands", fügte Merkel hinzu. Auch angesichts der erfolgreichen Exporte deutscher Technologie für moderne Kohlekraftwerke sei es maßgeblich, diese Technologie auch im Inland anzuwenden.

Ministerpräsident Rüttgers nannte das neue Steinkohlekraftwerk eine "große und bedeutende Investition". Der "Mut" von RWE zu dieser Entscheidung sei "vorbildlich". Auch für Rüttgers sind neue und moderne Kohlekraftwerke "unverzichtbar" für einen Industriestandort, wie es NRW und Deutschland seien. Moderne Kohlekraftwerk-Technologie aus Deutschland werde darüber hinaus "überall auf der Welt gebraucht."

Grüne: "Schwarzer Tag für den Klimaschutz"

Bei den Grünen stößt der Bau der zwei Steinkohle-Kraftwerksblöcke erwartungsgemäß auf scharfe Kritik. Der "vermeintliche technische Fortschritt" sei dabei minimal, bemängelte Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn. Stattdessen werde eine "völlig unzureichende Struktur der Energienutzung für die nächsten mindestens 50 Jahre festgeschrieben".

Die Teilnahme von Regierungschefin Merkel an der für Grundsteinlegung wertete Kuhn als "Armutszeugnis für die 'Klimakanzlerin'". Mit der "völlig unzureichenden Energiebilanz" neuer Kohlekraftwerke werde die Bundesregierung ihre Klimaziele weit verfehlen. Die Grundsteinlegung sei ein "weiterer schwarzer Tag für den Klimaschutz".

Mit einem Wirkungsgrad von 46 Prozent blieben auch die neuen RWE-Kohlekraftwerke "weit hinter der Leistungsfähigkeit moderner Gaskraftwerke zurück", argumentierte der Grünen-Politiker. Diese wandelten rund 60 Prozent der eingesetzten Energie in Strom um und erreichten bei Kraft-Wärme-Kopplung sogar Wirkungsgrade von gut 90 Prozent.

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