Ende einer Ära

RWE-Großmann nimmt Abschied

Die RWE-Hauptversammlung dürfte der letzte große Auftritt für Konzernchef Jürgen Großmann sein, der seinen Posten Ende Juni räumen wird. Großmann war angetreten, um dem Stromriesen neuen Schwung zu verleihen, doch die Energiewende hatte ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen (dapd/red) - Ende einer Ära: Die Hauptversammlung des Energieriesen RWE am Donnerstag in Essen ist der letzte große öffentliche Auftritt von Konzernchef Jürgen Großmann. Fünf Jahre stand der inzwischen 60-jährige Manager an der Spitze des Stromgiganten. Doch wie auch immer seine eigene Bilanz vor den Aktionären ausfallen wird, in Erinnerung bleiben wird vor allem Großmanns ebenso energischer wie vergeblicher Kampf für die Kernkraft.

"Dinosaurier des Jahres", Atomlobbyist oder gleich "Atom-Saurier": Die Etiketten hängen am RWE-Chef, seit er wie kein zweiter Energiemanager gegen die Energiewende nach der Atomkatastrophe von Fukushima kämpfte.

Dabei war der Selfmade-Milliardär im Oktober 2007 eigentlich angetreten, um dem behäbig gewordenen Essener Stromriesen neuen Schwung zu verleihen. Bei seiner Berufung galt Großmann als ungewöhnliche, aber vielversprechende Wahl. Er hatte den Stahlkonzern Georgsmarienhütte vor der beinahe unabwendbaren Pleite gerettet und dabei ein Vermögen gemacht. Jetzt sollte der lebensfrohe Unternehmer, der mit dem "La Vie" in Osnabrück ein eigenes Drei-Sterne-Restaurant besitzt, auch RWE zu neuen Erfolgen verhelfen.

Doch es kam anders: Die Ära Großmann ist geprägt von einem dramatischen Niedergang des Konzerns. Seitdem der Unternehmer im Oktober 2007 den Chefsessel des Essener Konzerns übernahm, hat sich der Wert der RWE-Aktie halbiert. Großmann, dem zuvor alles zu gelingen schien, verließ beim Essener Stromgiganten die Fortüne.

Der Buhmann der Nation

Am deutlichsten wurde dies bei der Atomkraft sichtbar. Großmann wurde nach seinem Amtsantritt zum vehementesten Fürsprecher der Atomenergie in Deutschland. Und hatte - zunächst - Erfolg. Nach der Verlängerung der Reaktor-Laufzeiten durch die Bundesregierung schien der Manager im Zenit seiner Macht.

Doch als sich die Atomkatastrophe von Fukushima ereignete und der Bundestag den beschleunigten Ausstieg aus der Kernenergie beschloss, wurde aus dem Sieger Großmann fast über Nacht der größte Verlierer der Energiewende. Im öffentlichen Bewusstsein übernahm er nach Fukushima wie kein anderer die Rolle des Buhmanns. Dabei wäre es verfehlt, Großmann auf die Rolle des Atom-Befürworters zu reduzieren. In seiner Ägide investierte der Konzern erstmals in großem Stil in den Ausbau der erneuerbaren Energien.

Zum Missgeschick bei der Kernenergie kam in der Ära Großmann aber auch noch Pech dazu. Jahrzehntelang hatten langfristige Lieferverträgen mit Gasproduzenten wie Russland oder Norwegen RWE sichere Gewinne garantiert. Doch Ende des vergangenen Jahrzehnts lösten neue Fördermethoden plötzlich einen dramatischen Preisverfall auf dem europäischen Markt aus. Die einst so lukrativen Verträge entwickelten sich für den Konzern zum Fass ohne Boden. Die so entstandenen Verluste dürften inzwischen in die Milliarden gehen.

Am Ende der Ära Großmann steht der Essener Konzern deutlich schwächer da als an ihrem Anfang. Für den bislang so erfolgreichen Manager muss dies schwer zu verkraften sein. Schon bei der Vorstellung der Zahlen für 2011 im März flüchtete sich der 60-Jährige in Galgenhumor. "Auch nach 2011 ist RWE kein Sanierungsfall", fasste er die Bilanz eines Jahres zusammen, das für den Essener Traditionskonzern kaum schlimmer hätte verlaufen können. Und auch für Großmann nicht. Ab dem 1. Juli kann es sein Nachfolger Peter Terium besser machen.

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