Unter Strom

RWE-Chef Großmann kämpft für Atommeiler

Angela Merkel wird auf ihrer Energiereise am Donnerstag im emsländische Lingen auf einen ihrer größten Widersacher im Streit um die geplante Brennelementesteuer treffen: RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann. Er gilt als einer der Initiatoren der Anzeigenkampagne, in der rund 40 Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik in der vergangenen Woche für den Atomstrom plädiert hatten.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Karlsruhe (afp/red) - Energiepolitik ist "knallharte Wirtschaftspolitik", sagt der 58-Jährige und denkt dabei sicherlich auch an die konzerneigenen Atommeiler. Bei RWE steht der Selfmade-Milliardär seit Oktober 2007 an der Spitze und kann auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken.

Sein Studium, Eisenhüttenkunde und Wirtschaftswissenschaften, absolvierte der Mann mit dem 2,05-Meter-Gardemaß an fünf in- und ausländischen Universitäten. Auslandspraktika und Studienreisen führten ihn rund um den Globus von Südafrika, den USA und Japan nach Brasilien, Venezuela sowie Mexiko.

Großmann arbeitete zunächst von 1980 bis 1993 im Klöckner-Konzern und war im Holding-Vorstand zuletzt verantwortlich für den gesamten Stahlbereich. Dann folgte 1993 sein großer Coup: Bei der Insolvenz von Klöckner kaufte der damals 41-Jährige die nahezu bankrotte Georgsmarienhütte aus dem Konzern für symbolische zwei Mark. Er bekam dafür 200 Millionen Mark Schulden und die ängstliche Hoffnung von 1600 Beschäftigten auf den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.

Der zum Mittelständler mutierte Manager modernisierte das Werk und hatte Erfolg. Heute ist die Georgsmarienhütte-Holding Schätzungen zufolge rund zwei Milliarden Euro wert. Die Hütte gilt als einer der bedeutenden deutschen Stahlproduzenten und liefert unter anderem an Autohersteller wie etwa DaimlerChrysler oder BMW.

Großmann bei RWE

2006 wurde dem Genussmenschen Großmann - ihm gehören ein Zwei-Sterne-Restaurant in Osnabrück und ein Weingut in Australien - der Vorstandsvorsitz des RWE-Konzerns angetragen. Nach einigem Zögern stimmte der verheiratete Vater von drei Kindern zu. Seit Oktober 2007 zählt er mit einem geschätzten Jahreseinkommen von zuletzt etwa neun Millionen Euro zu Deutschlands bestbezahlten Managern.

An der Spitze von RWE machte sich der Wahlhamburger zunächst daran, die Organisation des Großkonzerns zu verschlanken. Ende 2008 leitete er dann die erste große Umstrukturierung bei RWE ein und schuf die Sparte erneuerbare Energien, in die das Unternehmen jährlich eine Milliarde Euro investiert. Großmann gelang überdies die Milliarden schwere Übernahme des niederländischen Energieversorgers Essent.

Großmann kämpft gegen geplante Atomsteuer

Nun kämpft Großmann, dessen Vertrag Ende 2012 ausläuft, vehement gegen die geplante Atomsteuer der Bundesregierung. Die Beweggründe sind nachvollziehbar: Seit Jahresanfang sind die RWE-Aktien wegen der drohenden Abgaben um 21 Prozent abgerutscht. Zudem werde das Betriebsergebnis des Energiekonzerns um rund eine Milliarde Euro pro Jahr belastet, falls Merkels Pläne Realität werden, sagt Großmann.

Sollte es nicht zu der Steuer kommen, würde der RWE-Lenker nach eigenen Worten mit dem Geld Windparks ins Meer stellen, aber ohne Gelder aus der Brückentechnologie Atomkraft sei das nicht machbar. Der Strom müsse "bezahlbar bleiben", sagt Großmann und hat dabei wohl eher die deutsche Industrie im Blick und weniger die rund zwei Millionen privaten RWE-Stromkunden: Laut dem Verbrauchervergleichsportal Verivox waren Anfang August in Essen, dem Konzern-Sitz, 121 Stromanbieter günstiger als RWE mit seinem Standardtarif. Selbst einige Ökostromversorger waren demnach billiger.

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