Preisverleihung

RWE-Chef Großmann ist "Dinosaurier des Jahres 2010"

Der RWE-Vorstandsvorsitzende Jürgen Großmann hat in Berlin die Auszeichnung zum "Dinosaurier des Jahres 2010" entgegengenommen. Diesen Preis verleiht der Naturschutzbund Deutschlands (NABU) an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich "in Sachen Umweltschutz als besonders antiquiert erwiesen haben".

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Großmann sei zum Preisträger auserkoren worden, weil er "bei der Aufkündigung des Atomkonsenses auf hemmungslose Art die Politik beeinflusst habe", sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke am Freitag bei der Preisverleihung. Mit der dadurch erreichten Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke (AKW) sei ein gesellschaftlicher Konflikt wieder neu aufgerissen worden. "Mit der Dino-Verleihung wollen wir fragen, ob Sie auch nach der Katastrophe in Fukushima noch weiter auf dem Atomkurs bleiben", wandte Tschimpke sich an den Preisträger.

"Die Dinosaurier haben die Welt 165 Millionen Jahre regiert, dagegen ist der Mensch eine Eintagsfliege", sagte Großmann bei der Entgegennahme des Preises. Den Vorwurf, die Bundesregierung in Sachen AKW-Laufzeitverlängerung mit "unanständigen Methoden" beeinflusst zu haben, wies er entschieden zurück.

Der "Fukushima-Unfall" habe auch bei ihm zu einem Innehalten geführt. Nach wie vor stehe er jedoch zur Atomkraft als "Brückentechnologie" während der Übergangszeit zu einem sauberen Energiemix. "Das Alte trägt nicht mehr, aber das Neue trägt noch nicht. Wir müssen den Übergang gestalten", sagte Großmann. Die RWE-Klage gegen die vorläufige Abschaltung der Reaktoren Biblis A und B verteidigte der RWE-Chef mit der Notwendigkeit für "klare gesetzliche Grundlagen".

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