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Russland und Venezuela unterzeichnen Energieabkommen (Upd.)

Im Beisein der Präsidenten Hugo Chávez und Dmitri Medwedew unterzeichneten Vertreter der beiden Erdölstaaten am Freitag in der Uralstadt Orenburg zwei Energieabkommen. Noch im Oktober will der russische Energieriese Gazprom mit Probebohrungen beginnen.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Orenburg, 26. September (AFP/sm) - Russland und Venezuela bauen ihre militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit aus, die der Kreml als "solides Gegengewicht" zu den USA versteht. Fünf russische Erdöl- und Erdgaskonzerne werden nach Angaben des Energieministeriums als Teil eines für 2009 geplanten Konsortiums "dutzende Milliarden Dollar" in Venezuela investieren. Am Donnerstag hatte Regierungschef Wladimir Putin bereits russische Hilfe bei der Entwicklung von Atomkraft in Venezuela angeboten.

Die Chefs des russischen Erdgasgiganten Gazprom und des staatlichen venezolanischen Erdölkonzerns PDVSA unterzeichneten eine Vereinbarung zur künftigen Kooperation beider Unternehmen. Chávez dankte Medwedew und Putin für ihren "Vorschlag, ein Erdöl- und Erdgas-Konsortium zwischen PDVSA und Gazprom zu bilden".

Die Energieminister Sergej Schmatko und Rafael Ramírez unterzeichneten anschließend eine Vereinbarung, derzufolge beide Regierungen im Energiebereich ein zusätzliches Sonderabkommen schließen wollen. Die Abkommen wurden im Gebäude der Regionalverwaltung von Orenburg in Sichtweite des Lenin-Denkmals der Stadt geschlossen. Schmatko teilte später mit, an dem für das Frühjahr 2009 geplanten Konsortium seien die russischen Firmen Gazprom, Lukoil, TNK-BP, Rosneft und Surgutneftegaz beteiligt. Später würden sich Petróleos de Venezuela S.A. und weitere venezolanische Firmen anschließen.

Medwedew dankte Chávez für die "Organisation von Übungsflügen" strategischer russischer Kampfbomber in Venezuela. Anfang November werde es vor der Küste Venezuelas gemeinsame Manöver der russischen Flotte mit der venezolanischen Marine geben. "Das alles zeigt den strategischen Charakter unserer Beziehungen".

Bereits im Juli - während seines zweiten von insgesamt drei Russlandbesuchen seit 2007 - hatte Chávez bei einem Treffen mit Medwedew in dessen Residenz außerhalb Moskaus ein Vereinbarung geschlossen, demzufolge die drei russischen Firmen an der gemeinsamen Förderung von Erdgas und Erdöl im Orinoco-Becken im Südosten Venezuelas beteiligt werden.

Am Freitag bekräftigte Chávez seine "bescheidene, aber entschiedene Unterstützung" für Russlands militärisches Vorgehen in Georgien. Er verwies darauf, dass die georgische Armee im August das "südossetische Volk" als erste angegriffen habe. Medwedew dankte Chávez für dessen "moralische Unterstützung" in dieser Frage. Die Unabhängigkeit der von Georgien abtrünnigen Regionen Südossetien und Abchasien hat Venezuela nicht anerkannt. Nur Russland und Nicaragua haben das bisher getan.

Putin hatte während eines Treffens mit Chávez auf seinem Landsitz Nowo-Ogarjowo bei Moskau den Ausbau der beiderseitigen Beziehungen in allen Bereichen angekündigt, auch in dem der Atomenergie. Putin zufolge wird Gazprom bereits Ende Oktober mit Probebohrungen vor der Küste Venezuelas beginnen. Lateinamerika sei zu einem bedeutenden Bindeglied beim Aufbau einer multipolaren Welt geworden, sagte der russische Regierungschef. Er dankte Chávez in diesem Zusammenhang auch für die "herzliche Aufnahme" der russischen Kampfbomber in Venezuela.

Die beiden Kampfflugzeuge vom Typ Tupolew 160 waren Mitte September vor der lateinamerikanischen Küste Patrouille geflogen. Anfang der Woche liefen russische Kriegsschiffe in Richtung Venezuela aus. Die US-Regierung betrachtet Lateinamerika traditionell als ihr militärisches Einflussgebiet und verfolgt die engen Beziehungen des venezolanischen Staatschefs zu Russland mit Argusaugen. Chávez hat sich immer wieder als scharfer Kritiker von US-Präsident George W. Bush hervorgetan.

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