Erhöhungen verweigern

Rückenwind aus Hamburg: Verbraucherschützer machen gegen hohe Gaspreise mobil

Ein paar mutige Verbraucher haben gestern in Hamburg den Lohn für die zeit- und nervenaufwändige Auseinandersetzung mit einem übermächtig erscheinenden Versorger erhalten: Im Verfahren wegen "unbilliger" Gaspreise wird E.ON Hanse wohl seine Kalkulation veröffentlichen müssen und bleibt dennoch siegessicher.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (ddp/sm) - Das endgültige Urteil wird zwar erst am 8. Dezember gesprochen, aber die Hamburger Verbraucherschützer, die sich mit einer Sammelklage gegen die hohen Gaspreise von E.ON Hanse wehren, können dem erstmal gelassen entgegenblicken. Denn in einer ersten Einschätzung der vorsitzenden Richterin am Landgericht Hamburg wird der Energiekonzern wohl seine Preiskalkulation offen legen müssen.

E.ON Hanse gibt sich unterdessen weiter siegesgewiss: "Wir sind zuversichtlich, dass Gericht von der Zuverlässigkeit unserer Preisgestaltung zu überzeugen", sagte Sprecherin Esther Seemann. Das Gericht habe schließlich die Preisgestaltung an den internationalen Energiemärkten noch völlig unberücksichtigt gelassen. Unterstützung kam auch vom Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW). Er wies darauf hin, dass die Preise, zu denen deutsche Versorger den Rohstoff einkaufen, zwischen Juli 2004 und Juli 2005 um über 37 Prozent gestiegen seien. Vor diesem Hintergrund seien Preiserhöhungen derzeit unvermeidlich. Der Verband warnte daher davor, die Äußerung des Landgerichts als Vorwegnahme des Urteils zu werten. Vergleichbare Verfahren hätten bereits die Preisgestaltung bestätigt, sagte BGW-Chef Martin Weyand.

Derweil sammeln auch die Verbraucherzentralen in Sachsen und Thüringen Beschwerden wegen zu hoher Preise. Wie der Sender MDR info am gestern berichtete, meldeten sich allein in Sachsen in den vergangenen Wochen knapp 1500 verärgerte Gaskunden. Die Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen (VZS), Bettina Dittrich, sagte dem Sender, man habe mit solch einem Andrang überhaupt nicht gerechnet und werde voraussichtlich im Sinne von Musterklagen gegen zwei größere Versorger vorgehen. Um welche Unternehmen es sich handele, gab die VZS nicht an.

Der Geschäftsführer der Thüringer Verbraucherzentrale, Christian Koth, sagte MDR info, man sei insbesondere bei der Gasversorgung Thüringen fündig geworden und sammele nun Anfragen von Kunden, die klagen wollten. Koth betonte, dass einige Energieversorger regelrecht Druck ausübten, wenn Kunden sich Preiserhöhungen verweigerten: "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass einige Versorger sogar Sperrandrohungen aussprechen - aber in solchen Fällen können wir die Kunden unterstützen."

Völlig unbeeindruckt davon kündigte der Berliner Erdgasversorger Gasag an, zum 1. Oktober die Gaspreise um einen halben Cent je Kilowattstunde zu erhöhen. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Berliner Mietervereins, Reiner Wild, kritisierte, dass "Hartz-IV"-Empfänger besonders von der Erhöhung betroffen seien. Da die festgelegten Mietoberwerte für Bruttowarmmieten gälten, würden die Steigerungen nicht durch zusätzliche Leistungen kompensiert. Wild forderte vom Senat, eine Anhebung der Mietoberwerte bis Anfang 2006. Die Berliner Verbraucherzentrale empfahl indes, der Preiserhöhung bei den Gaskonzernen schriftlich zu widersprechen.

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