Zehn Jahre

Rückbau von Mülheim-Kärlich: Langwieriger als geplant

Nach nur 13 Monaten am Netz wurde das rheinland-pfälzische Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich bereits 1988 stillgelegt. Der geplante Rückbau zieht sich wegen jeder Menge Vorschriften allerdings hin. Wie es dort derzeit aussieht, beschreiben wir in einem kleinen Feature.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Mülheim-Kärlich (ddp-rps/sm) - Der geplante Abbruch des Kernkraftwerks Mülheim-Kärlich zieht sich hin. "Selbst wenn wir von Seiten des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums alle Genehmigungen vorliegen hätten, müsste für den kompletten Rückbau ein Zeitraum von rund zehn Jahren eingerechnet werden", erläuterte der Leiter des Kernkraftwerks, Walter Hackel, bei einem Rundgang.

Doch nicht nur bei der Erteilung der Genehmigungen gibt es laut Hackel, der als technischer Projektleiter bereits am Abbau des Versuchsatomkraftwerks im bayrischen Kahl federführend beteiligt war, immer wieder Verzögerungen. Vor allem die noch immer ungelöste Frage eines atomaren Zwischenlagers bedrohe den Abrisszeitplan der Betreiberfirma RWE Power.

Noch immer gleicht das im Jahre 1988 durch einen Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts stillgelegte Kernkraftwerk einem Hochsicherheitstrakt. Wer das Gelände betreten will, muss zahlreiche Sicherheitsschleusen hinter sich lassen. "Wir sind von der Gesetzeslage dazu verpflichtet, weiterhin ausreichende Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, obwohl mit dem Abtransport der Brennstäbe im vergangenen Jahr bereits 99 Prozent der Radioaktivität verschwunden ist", sagte der Sprecher des AKW, Werner Herig. So gibt es in dem Kernkraftwerk neben dem Werksschutz weiterhin auch eine Werksfeuerwehr.

In den Gängen rund um das Reaktorhauptgebäude herrscht dennoch eine gespenstige Stille: Nur das monotone Brummen der Belüftungsanlage ist zu hören. "Von rund 650 Mitarbeitern sind nur rund 100 geblieben", erzählt Herig mit einem traurigen Unterton. Viele habe er gehen sehen. Er selbst arbeitet bereits seit 22 Jahren in dem Atomkraftwerk, das nur 13 Monate am Netz war.

Im Kraftwerksinneren werden die ersten Spuren des Abrisses nur langsam deutlich. Hier und da befinden sich Gitterboxen, gefüllt mit auseinandergesägten Rohren oder Isoliermaterial. "Wir brauchen für jeden Rückbauschritt eine Genehmigung des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums", berichtet Herig. Die Kraftwerksleitung hofft, in den nächsten Wochen mit der Demontage der riesigen Generatoren im nichtnuklearen Bereich beginnen zu können.

Was nie mit Radioaktivität in Berührung kam und für den Restbetrieb nicht benötigt wird, kann nach Zustimmung der Aufsichtsbehörden aus der atomrechtlichen Aufsicht entlassen werden. Kraftwerksleiter Hackel hofft, so den größten Teil der Anlage und damit jede Menge an hochwertigem Stahl der Wiederverwertung zuführen zu können.

Weitaus mehr Kopfzerbrechen bereiten ihm die rund 2900 Tonnen an radioaktiven Abfällen, die beim Rückbau des AKW anfallen. "Da der Schacht Konrad für eine Endlagerung nicht mehr zur Verfügung steht und solche Mengen in den Salzstollen von Gorleben nicht aufgenommen werden können, bleibt nur der Weg über ein Zwischenlager hier auf dem Kraftwerksgelände", resümiert Hackel.

Doch genau hier droht juristischer Gegenwind: Für den Fall, dass ein Zwischenlager eingerichtet würde, hat die Stadt Neuwied, die bereits an der Stilllegung des Reaktors im Jahr 1988 beteiligt war, erneute rechtliche Schritte angekündigt. "Ein solches juristisches Verfahren, möglicherweise wieder durch viele Instanzen, würde den Rückbau absolut in die Länge ziehen", meint Hackel.

Von ddp-Korrespondent Stefan Schmitt

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