Standpunkt

Röttgen sieht Bevölkerung in der Atompolitik hinter sich

Trotz parteiinterner Kritik sieht Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) die deutsche Bevölkerung in seinem Kurs einer moderaten Verlängerung der Atomlaufzeiten hinter sich. Angesprochen auf seinen Zwist mit Stefan Mappus sagte Röttgen, Mappus habe auf sein Wohlbefinden keine Auswirkung.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Hamburg (ddp/red) - "Ich erhalte aus der Partei und in der Bevölkerung breite Unterstützung", sagte Röttgen dem "Hamburger Abendblatt" (Mittwochausgabe). "Die Kritik kommt nach meinem Eindruck von einigen wenigen Personen." Zu der wiederholt scharfen Kritik des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) sagte Röttgen: "Stefan Mappus hat auf mein Wohlbefinden keine Auswirkung." Der Ministerpräsident habe sich "dabei ja auf die gesamte Bundesregierung bezogen".

Röttgen weiter: "Wir haben schon in den Koalitionsverhandlungen besprochen, bis Ende dieses Jahres ein Energiekonzept zu verabschieden." Dem hätten alle zugestimmt, in der Partei und in den Fraktionen. "Und diesen Zeitplan werden wir auch einhalten", stellte der Minister klar.

Bei allem Streit müssten "bestimmte Festlegungen respektiert werden", forderte Röttgen. "Die Koalition ist sich einig: Wir brauchen die Kernenergie so lange, bis sie durch die erneuerbaren Energien verlässlich ersetzt werden kann. Das ist eine klare Sprache."

Röttgen sagte weiter: "Wenn es ein Gesetz ohne Zustimmung des Bundesrates sein soll, muss die Verlängerung der Laufzeiten moderat und überschaubar sein." Er bleibe bei der Meinung, "dass wir die Energiepolitik nicht zu einem Kampfthema und nicht zu einem Gegeneinander von Bund und Ländern machen sollten". Er fügte hinzu: "Wir würden uns dem Risiko aussetzen, dass sich die Energiepolitik nach jeder Wahl um 180 Grad dreht."

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