Konsequenzen

Riva Energie AG reduziert Mitarbeiterzahl

Der Essener Stromanbieter Riva zieht die Konsequenzen aus der schleppenden Liberalisierung des deutschen Strommarktes. Um wettbewerbsfähig zu bleiben werden 30 Mitarbeiter entlassen. Zudem hat sich der ehemalige Shareholder Sempra zurückgezogen.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Mit ungewöhnlichen Vertriebsmethoden macht der Essener Energieversorger Riva Energie AG seit Anfang 2000 auf sich aufmerksam. Als einer der wenigen Stromversorger nutzt das Unternehmen zur Kundengewinnung vor allem den Direktvertrieb und konzentriert sich nur auf Gebiete, in denen wirtschaftlich agiert werden kann. Dabei ist es Riva's Prämisse, mit seinen Strompreisen etwa zehn Prozent unter den Tarifen des Regionalversorgers zu liegen. Das glückt bisher in Hamburg, großen Teilen Baden-Württembergs, Berlin und München, weshalb dort die stärksten Aktivitäten stattfinden. Nach Unternehmensangaben werden derzeit etwa 50 000 Kunden versorgt.

Als das strom magazin den ehemaligen Riva-Chef Carsten Knauer im November 2000 interviewte, sprach dieser von 80 000 Kunden, die sein Unternehmen bereits zu diesem Zeitpunkt mit Strom versorgte. Knauer gehört seit November 2001 nicht mehr dem Unternehmen an, ebenso wie gut 30 000 Stromkunden. Wie das strom magazin jetzt erfuhr, hat Riva nun die ersten schwerwiegenden Konsequenzen aus der aktuellen Marktsituation und der nach wie vor schleppenden Liberalisierung des deutschen Strommarktes gezogen. Von den 85 Mitarbeitern werden etwa 30 in der ersten Jahreshälfte gehen müssen.

Dass es bisher nicht so gelaufen ist, wie es einmal angedacht war, zeigt ein Blick auf die Darstellung des Unternehmens am 28. Juli 2000 im strom magazin. Euphorisch sprach Knauer davon, bis Ende 2000 100 000 Haushalte mit Riva-Strom versorgen zu wollen. Bis 2003 sollten es sogar eine Million Kunden und ein Umsatz von einer Milliarde Mark sein. Die Realität sieht indes anders aus. Der ehemalige Shareholder Sempra Energy, der im Privatkundenbereich mit knapp neun Millionen Zählern über die größte Kundenbasis aller amerikanischen Energiekonzerne verfügt, hat seine Riva-Anteile an die US-amerikanischen Private Equity Fund CapVest abgegeben.

Die Kunden, die Riva mit Strom versorgt, scheinen mit dem Service zufrieden zu sein. Im Forum des strom magazins gibt es seit Mitte letzten Jahres keine Beschwerden mehr und auch der Redaktion sind keine negativen Erfahrungen bekannt. Scheint also, als ob sich die Art und Weise der Kundenaquise bewährt hat, auch wenn die ehemaligen Monopolisten ihren Kunden von derartigen Haustürgeschäften abraten. Dennoch: Die Qualitätssicherung funktioniert. Fehlt nur noch ein finanzstarker Partner im Hintergrund. Auf der Suche nach eben diesem ist Riva derzeit, heißt es aus firmennahen Kreisen. Für den deutschen Strommarkt wäre es in jedem Fall ein Gewinn, wenn so schnell wie möglich einer gefunden würde.

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