Riss in einer Schweißnaht in Block A des Kernkraftwerks Biblis sorgt für Aufruhr

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Im Rahmen der Revisionsarbeiten in Block A des Kernkraftwerks Biblis wurde jetzt im Bereich der Verbindung des Not- und Nachkühlsystems zum Reaktorkühlkreislauf ein Riss entdeckt, der sich wahrscheinlich seit dem Bau der Anlage 1973 in der betroffenen Schweißnaht befindet. Bei einer im Jahr 1992 erfolgten Prüfung war die Prüfanzeige, die auf diesen Riss hinweist, unzutreffend als Messfehler bewertet worden.


Mit dieser Darstellung hatte das Hessische Umweltministerium am vergangenen Montag die Öffentlichkeit über den Defekt im hessischen Atommeiler in Biblis informiert. Biblis A war ohnehin am 19. August zur Jahresrevision abgefahren worden und steht seitdem still. Die Information, dass der Riss schon seit der Errichtung der Anlage im Jahr 1973 vorhanden ist, hat für Aufruhr gesorgt. Die umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im hessischen Landtag Ursula Hammann hat beispielsweise eine umfassende Erklärung gefordert. Aus diesem Grund hat Umweltminister Wilhelm Dietzel die Ereignisse chronologisch dargestellt.


Im Rahmen der Prüfungen zur Jahresrevision hat der Betreiber des Kernkraftwerks Biblis, die RWE Power AG, am Donnerstag, 12.10.2000, die Aufsichtsbehörde über Rissbefunde am Stutzen der Verbindung des Not- und Nachkühlsystems zum Reaktorkühlkreislauf erstmals informiert. Die hessische Atomaufsicht hat die hinzugezogenen Gutachter und RWE um exakte Aufnahme der Befunde und eine erste Bewertung gebeten. "Da die Anlage derzeit nicht in Betrieb ist, war keine Gefahr in Verzug", bilanziert Dietzel. Knapp eine Woche später, am Mittwoch, 18.10.2000, wurden die Befunde und die Bewertung durch RWE unter Beteiligung der Gutachter und der Behörde diskutiert. Hierbei kam auch zur Sprache, dass bereits 1992 Ultraschallbefunde bei einer Prüfung an gleicher Stelle festgestellt worden waren. Diese Befunde waren seinerzeit als Messfehler bewertet worden. In diesem Gespräch wurde die RWE auch darüber in Kenntnis gesetzt, dass am folgenden Tag sowohl der Hessische Umweltminister Dietzel als auch das Bundesumweltministerium über den Sachstand informiert würden.


Am Donnerstag, 19.10.2000, wurde zuerst Minister Dietzel über den Sachverhalt informiert. Er entschied daraufhin, dass eine unverzügliche Reparatur der Schweißnaht durchgeführt werden müsse. Es sei nicht auszuschließen, dass die derzeit stattfindende Revision sich dadurch um mehrere Wochen verlängern könne und Biblis A nicht wie geplant Anfang November wieder angefahren werde. Außerdem leitete Dietzel ein umfangreiches Begutachtungsverfahren ein. RWE wurde unverzüglich über die Entscheidung des Ministers informiert. Am selben Tag wurde mit dem Bundesumweltministerium (BMU) ein mündlicher Bericht für den 20.10.00 vereinbart. Am Freitag, 20.10.2000, wurde dieser Bericht in Bonn von der hessischen Aufsichtsbehörde den dort Zuständigen erstattet. Weiterhin wurde vereinbart, dem BMU zur Beratung in der Reaktorsicherheitskommission alle von der hessischen Behörde in Auftrag gegebenen Gutachten unverzüglich vorzulegen. Am Montag, 23.10.2000, wurde die Öffentlichkeit informiert. Dabei wurde auch mitgeteilt, dass der Riss wahrscheinlich seit der Herstellung in der Schweißnaht vorhanden ist. Eine abschließende Bewertung erfolgte nicht. Am Abend des 23.10.00 hat die RWE den Riss in der Schweißnaht formal als Vorkommnis der Kategorie N gemeldet.


Umweltminister Dietzel bleibt bei seiner Entscheidung, dass die Schweißnaht repariert werden muss und ein Wiederanfahren der Anlage erst in Betracht kommt, wenn dieser Sachverhalt aufgeklärt und die Anlage ohne Sicherheitsbedenken betrieben werden kann.

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