Wegen Atomausstieg

Risikoforscher warnen vor Mangel an Atomkraft-Experten

Führende deutsche Risikoforscher haben sich für eine Revison des Atomausstiegs ausgesprochen. Durch den beschlossenen Ausstieg herrsche ein Mangel an Kerntechnik-Experten, worunter die Sicherheit der deutschen Atomkraftwerke leide. Außerdem verringere der Ausstieg Deutschlands Einfluss bei internationalen Fragen zur Kerntechniknutzung.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Frankfurt/Main (ddp/sm) - Das von der rot-grünen Bundesgierung im Jahr 2000 mit den Stromkonzernen ausgehandelte sukzessive Abschalten der AKW habe die Gefahren für die Bevölkerung in Deutschland nicht verringert, sondern sogar erhöht, behaupten die Wissenschaftler. Die "Sicherheitswissenschaftliche Initiative" argumentiert: Es fehle in Deutschland zunehmend der Kerntechniker-Nachwuchs. In den noch laufenden 17 Atomkraftwerken leide die Sicherheitskultur. Zudem schwinde Deutschlands Einfluss in der internationalen Nukleartechnik-Debatte, sagte der Sprecher der Initiative, Sylvius Hartwig, der "Frankfurter Rundschau".

In der Initiative haben sich zehn Professoren aus verschiedenen Fachbereichen zusammengeschlossen - darunter mit Leopold Weil der für kerntechnische Sicherheit zuständige Fachbereichsleiter des Bundesamtes für Stahlenschutz sowie die Ex-Chefin der Störfall-Kommission, Ursula Stephan. Die Einhaltung der hohen deutschen Sicherheitsstandards müsse besser gesichert werden.

Auch atomkritische Experten wie der Leiter des Bereichs Reaktorsicherheit des Öko-Instituts, Michael Sailer, warnen vor Manpower-Problemen. Da in Deutschland laut Atomkonsens noch rund 15 Jahre AKW am Netz sein werden, müsse man dafür sorgen, dass "Sachverstand nachwächst". Sonst werde es zunehmend schwieriger, die Sicherheitsstandards zu garantieren. Am Atomausstieg solle aber nicht gerüttelt werden.

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