Umweltkatastrophe

Riesige Stahlglocke soll im Kampf gegen Ölpest helfen

Im Kampf gegen die verheerende Ölpest im Golf von Mexiko richten sich die Hoffnungen nun auf eine riesige Stahlglocke: Diese soll nach den Plänen der Ingenieure wie ein Trichter wirken. Unterdessen forderte US-Innenminister Salazar ein energiepolitisches Umdenken.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Port Fourchon/Robert (afp/red) - Die Einsatzkräfte versuchen, die Kuppel bis spätestens Montag über das Leck stülpen zu können, um dann das Öl aufzufangen und abzupumpen. Als Reaktion auf die Katastrophe stellte US-Innenminister Ken Salazar den bisherigen energiepolitischen Kurs der USA in Frage.

Am Mittwoch wurde die knapp hundert Tonnen schwere und fast 15 Meter hohe Kuppelkonstruktion im Hafen von Port Fourchon (US-Bundesstaat Louisiana) auf ein Schiff verfrachtet und Richtung Unglücksstelle gebracht. Dort soll der Stahlkoloss langsam ins Wasser gelassen werden und sich dann in mehr als 1500 Metern Meerestiefe passgenau über das Leck stülpen. Experten hoffen, dass die wie ein Trichter funktionierende Kuppel am Montag einsatzbereit ist.

Sollten die Pläne der Ingenieure funktionieren, würde die Glocke wie ein Trichter wirken: Das auslaufende Öl würde sich unter ihr sammeln und könnte über einen Schlauch am oberen Ende der Glocke in Tankschiffe abgepumpt. Bisher funktionierte diese Technik allerdings nur im flachen Wasser, in derart großer Tiefe wurde sie noch nie eingesetzt. Doch die Zeit drängt - die Golfströmung könnte den Ölteppich an die Küsten Floridas treiben.

Das Weiße Haus will die Energiekonzerne künftig stärker für die Folgen von Ölverschmutzungen zur Kasse bitten. Präsidentensprecher Robert Gibbs stellte sich am Mittwoch hinter Forderungen aus dem Kongress, die Haftung von Konzernen für die wirtschaftlichen Folgeschäden von Ölverschmutzungen im Meer zu erhöhen. Genaue Zahlen nannte er zunächst nicht.

Nach bislang geltendem Recht müssen die Unternehmen zwar für die Beseitigung des Öls im Meer und die Reinigung der Küste zahlen; für Schadenersatzzahlungen an Betriebe - etwa in der Fischereiindustrie oder im Tourismus - gilt aber eine Obergrenze von 75 Millionen Dollar (58 Millionen Euro). Ein im Senat eingebrachter Gesetzentwurf stuft die Entschädigungsgrenze auf zehn Milliarden Dollar hoch.

Innenminister Salazar forderte, die Lehren aus der Ölpest zu ziehen. Das ganze Land müsse über grundsätzliche Fragen wie Energieverbrauch und Konsum nachdenken, sagte Salazar, während er sich in Louisiana über den Stand der Maßnahmen gegen die Umweltkatastrophe informierte. Eigentlich wolle die Regierung die Abhängigkeit von ausländischem Öl verringern, sagte Salazar. Dies habe aber mehr Öl- und Gasförderung im eigenen Land zur Folge.

Präsident Barack Obama hatte der äußerst umstrittenen Suche nach Öl vor den Küsten der USA erst Anfang des Jahres in einer Geste an die oppositionellen Republikaner zugestimmt. Ob die US-Regierung nun aber soweit gehen wird wie Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger, der sich inzwischen gegen Ölbohrungen vor seinen Küsten ausspricht, ließ der Innenminister offen.

Auf der Bohrinsel "Deepwater Horizon" war es am 20. April zu einer Explosion gekommen, bei der elf Arbeiter ums Leben kamen. Zwei Tage später sank die Plattform, seither strömen täglich rund 800.000 Liter Öl in den Golf von Mexiko.

Nach Einschätzung des Schweizer Rückversicherers Swiss Re wird auf die Versicherungsbranche Kosten von bis zu 3,5 Milliarden Dollar (2,7 Milliarden Euro) zukommen. Swiss Re selbst rechnet durch die Ölpest mit Kosten von rund 200 Millionen Dollar vor Steuern.

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