Hartnäckig

Regelenergie zu teuer: Kartellamt leitet Verfahren gegen E.ON und RWE ein

Das Bundeskartellamt hat gegen die RWE Kraftwerksgesellschaften RWE Power AG (Essen) und RWE Rheinbraun AG (Köln) sowie gegen die E.ON Sales & Trading GmbH (München) ein Preismissbrauchsverfahren wegen zu teurer Regelenergie eingeleitet. Die hohen Preise für Regelenergie hätten wesentlich zum Preisanstieg der Übertragungsnetzentgelte beigetragen.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Nach Erlassen zweier Missbrauchsverfügungen gegen die Thüringer TEAG wegen zu hoher Messpreise und gegen RWE Net wegen zu hoher Netznutzungsentgelte in der vergangenen Woche, hat das Bundeskartellamt heute Preismissbrauchsverfahren gegen die RWE und E.ON eingeleitet. Grund: Es besteht der Verdacht, dass diese Unternehmen in ihrem Übertragungsnetzgebiet für die Bereitstellung von Regelenergie (Primär- und Sekundärregelenergie) überhöhte Preise fordern.

Die Verfahren, die nach Prüfung einer Beschwerde des Verbandes der industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) eingeleitet wurden, richten sich gegen die RWE Kraftwerksgesellschaften RWE Power AG (Essen) und RWE Rheinbraun AG (Köln) sowie gegen die E.ON Sales & Trading GmbH (München). Regelenergie wird jeweils für einen Sechs-Monats-Zeitraum ausgeschrieben und in die Netznutzungsentgelte für die Höchstspannungsebene eingerechnet. Die hohen Preise für Regelenergie hätten wesentlich zum Preisanstieg der Übertragungsnetzentgelte von über zehn Prozent im Jahr 2002 beigetragen, begründeten die Wettbewerbshüter ihre Initiative.

Im RWE-Gebiet sind nach Berechnungen des VIK die Preise für Primärregelenergie gegenüber dem ersten Angebotszeitraum Februar bis Juli 2001 in den folgenden Sechs-Monats-Zeiträumen um über 150 Prozent gestiegen. Auch die Preise für Sekundärregelenergie stiegen gegenüber den ersten beiden Sechs-Monats-Zeiträumen in den folgenden Phasen um 60 bis 90 Prozent. Im E.ON-Gebiet liegen die Preise für Primärregelenergie um über 100 Prozent über denen der ersten Phase des RWE-Gebiets. Gleichzeitig stiegen die Preise von Ausschreibung zu Ausschreibung um etwa vier bis sieben Prozent. Auch für die Bereitstellung von Sekundärregelenergie seien die Preise gegenüber der erstmaligen Beschaffung deutlich gestiegen. Nach erster Einschätzung des Bundeskartellamts vermögen die von RWE und E.ON vorgetragenen Faktoren die erheblichen Preisanstiege für die Bereitstellung von Primär- und Sekundärregelenergie nicht zu erklären. Denn alle angeführten Faktoren (z.B. spezifische Regelenergiekosten, Vermarktungskosten) hätten bereits in der ersten Ausschreibungsperiode bestanden. Änderungen, die deutliche Preiserhöhungen begründen könnten, seien daher nicht ersichtlich.

Nach Kartellamtspräsident Ulf Böge könnten die beträchtlichen Preissteigerungen aus großen Verhaltensspielräumen der Kraftwerksgesellschaften von RWE und E.ON in der eigenen Regelzone resultieren. Diese Preissetzungsspielräume würden durch die strikte Trennung zwischen den vier deutschen Regelzonen von RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall Europe begünstigt. Die Bildung einer einzigen deutschen Regelzone würde den Gesamtbedarf an Primär- und Sekundärregelenergie reduzieren (z. B. wegen des Durchmischungseffekts von Stromüberschüssen im RWE-Gebiet und Stromdefiziten im EnBW-Gebiet). Hierdurch würden auch die Voraussetzungen für den Angebotswettbewerb nachhaltig verbessert.

Weitere Informationen zum Stichwort "Regelenergie" finden sich in unserem Lexikon.

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