1989 stillgelegt

Reaktor in Hamm-Uentrop kostete 2,4 Milliarden Euro

Bau, Betrieb und Stilllegung des Thorium-Hochtemperatur-Reaktors (THTR) im westfälischen Hamm-Uentrop haben bisher rund 2,43 Milliarden Euro gekostet. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Grünen-Anfrage hervor, wie der Bundestagspressedienst am Freitag mitteilte.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (afp/red) - Der Bund trug demnach von dieser Summe etwa 1,42 Milliarden Euro. Die Kosten für den Reaktor-Rückbau bis 2030 und die anschließende Zwischen- und Endlagerung werden auf 675 Millionen Euro geschätzt. Die Finanzierung hierfür ist laut Regierung noch nicht vertraglich geregelt - derzeit übernehme die Betreibergesellschaft die laufenden Kosten.

Baubeginn der Anlage war 1971

Der THTR war 1989 endgültig stillgelegt worden. Die damals neue Reaktorlinie, die einen wesentlich höheren Wirkungsgrad als die üblichen Druck- und Siedewassereaktoren erzielen sollte, war vor dem Baubeginn 1971 in der rheinischen Kernforschungsanlage Jülich erprobt worden. Statt mit Wasser wurde der Reaktor mit Edelgasen gekühlt, statt Brennstäbe wurden kugelförmige Brennelemente mit der Größe von Tennisbällen eingesetzt.

Stilllegung: Radioaktiver Staub war ausgetreten

Nach mehreren Störfällen wurde der 300-Megawatt-Reaktor in Hamm-Uentrop im September 1988 abgeschaltet, nachdem bereits am 4. Mai 1986 radioaktiver Graphitstaub aus dem Reaktorschornstein ausgetreten war.

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