Verkehrspolitik

Reaktionen auf Bau der CO2-neutralen Tankstelle

Während Politiker aus Bund und Ländern die Tankstelle als richtungweisendes ökologisches Projekt lobten, kritisierte der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) das Vorhaben. Es müsse darum gehen, CO2-Emissionen zu vermeiden und nicht nur zu kompensieren.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Schönefeld/Berlin (ddp/red) - Die Total Deutschland GmbH baut am künftigen Hauptstadtflughafen BBI in Schönefeld die den Angaben zufolge weltweit erste CO2-neutrale "Multi-Energie-Tankstelle". Die Tankstelle soll durch einen Windpark, den die Enertrag AG am Autobahndreieck Spreeau errichten will, mit Energie versorgt werden.

Durch den Windpark würden jährlich 170.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart, sagte Enertrag-Chef Werner Diwald am Donnerstag in Schönefeld. "Damit werden die jährlich 40.000 bis 50.000 Tonnen CO2, die in Folge der Verbrennung des an der Tankstelle verkauften konventionellen Kraftstoffs entstehen, mehr als ausgeglichen." Nach Angaben von Total-Chef Hans-Christian Gützkow reicht das Angebot der Tankstelle von Wasserstoff über Ladestationen für Elektroautos bis hin zu Benzin und Diesel sowie Erdgas mit Bio-Anteil.

Der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Rainer Bomba, bezeichnete die Tankstelle als Musterbeispiel für die erfolgreiche Umsetzung der verkehrspolitischen Ziele der Bundesregierung. "Hier ist nicht nur sauber, was aus dem Auspuff kommt, sondern auch was in den Motor fließt." Nur so könne man dem Ziel von "Nullemissionsfahrzeugen" näher kommen, fügte Bomba hinzu.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sprach von einem "richtungweisenden ökologischen Projekt". Der BBI setze damit ein Signal, auch in Energiefragen ein moderner Flughafen zu sein.

Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) erkannte in dem Tankstellenprojekt die Leistungsfähigkeit von Umweltfirmen in der Hauptstadtregion. "Innovative Technologien bauen Berlins Spitzenposition als Deutschlands Hauptstadt der Green Economy weiter aus und schaffen nachhaltiges Wachstum und qualifizierte Arbeitskräfte", sagte Wolf.

Mit dem eigentlichen Ziel, der Vermeidung von Kohlendioxid, habe das Projekt nichts zu tun, kritisierte dagegen der Berliner BUND-Referent für Klimaschutz und erneuerbare Energien, Ulf Sieberg. "Die Total Deutschland GmbH kauft sich mit dem Bau ihrer sogenannten CO2-neutralen Multi-Energie-Tankstelle am künftigen Hauptstadtflughafen ein grünes Gewissen", betonte Sieberg. Die durch den Verkauf von Benzin und Diesel entstehenden CO2-Emissionen an der Tankstelle würden durch die Windenergiezufuhr lediglich kompensiert. Es drehe sich bei der Klima-Thematik aber in erster Linie darum, CO2-Emissionen nicht erst entstehen zu lassen, und im nächsten Schritt überall dort zu reduzieren, wo eine Vermeidung nicht möglich sei.

Flughafenchef Rainer Schwarz kündigte zur Inbetriebnahme des BBI die Einrichtung eines ökologischen Fuhrparkmanagements an. Flughafenfahrzeuge sollten auf alternative Antriebe umgestellt werden. Angestrebt sei eine Kombination aus Elektro-, Gas- und Wasserstoff-Technologie.

Tankstelle und Windpark sollen im Oktober 2011 zur geplanten Eröffnung des BBI in Betrieb gehen.

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