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Reaktionen auf Akten-Manipulation bei Endlager Gorleben

In jüngster Zeit waren vermehrt Details über eine politische Einflussnahmen bei der Auswahl des Standorts Gorleben bekanntgeworden. Wie am Dienstag bekannt wurde, sei sogar ein Gutachten über die Eignung Gorlebens als Endlager umgeschrieben wurden. Unionspolitiker halten jedoch weiter an dem Standort fest.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Frankfurt am Main (ddp/red) - "Die schwarz-gelbe Regierung Kohl hat sich bei ihrer Entscheidung für Gorleben als Atom-Endlager über massive fachliche Bedenken hinweggesetzt", sagte Gabriel am Dienstag in Berlin. "Die Akten belegen, dass die Experten in der zuständigen Fachbehörde schon 1983 auf hohe Risiken in Gorleben hingewiesen und die Erkundung anderer Standorte empfohlen haben." Er nannte es "verantwortungslos", dass Union und FDP sich auch heute noch einem solchen international längst üblichen Standortvergleich verweigern.

Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn sagte der "Frankfurter Rundschau", es handele sich dabei um "die gleiche Schlamperei mit hingebogenen und unwissenschaftlichen Entscheidungen", die man nicht nur von Gorleben kenne, sondern auch von "den abgesoffenen Endlagern". Union und FDP müssten sich nun "endlich mit ihrer fahrlässigen Endlagerpolitik aus den 80er und 90er Jahren auseinandersetzen", forderte Höhn.

Union: Gorleben soll weiter erkundet werden

Die Union hält dennoch an der Erkundung des Salzstocks fest. Es sei zwar "unbedingt erforderlich", die jetzt bekannt gewordenen Akten zu prüfen, sagte die Endlagerexpertin der Unions-Fraktion, Maria Flachsbarth (CDU), der Zeitung. Es bestehe aber "keine Veranlassung, den Salzstock nicht zu Ende zu erkunden. Es muss zügig weiter gemacht werden." Damit sei jedoch nicht festgelegt, dass Gorleben am Ende auch Endlager wird. "Wir wollen nicht Gorleben auf Deubel komm raus", sagte die CDU-Politikerin. Sollte sich herausstellen, dass es nach wissenschaftlichen Standards nicht geeignet sei, "wird es auch nicht Endlager!. Über eine Suche nach Alternativen will die Union aber erst nach Erkundung von Gorleben mit sich reden lassen.

Gönner: Schon jetzt nach Alternativen suchen

Dagegen schließt Baden-Württembergs Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) eine Suche nach Alternativ-Standorten parallel zur weiteren Erkundung Gorlebens nicht mehr aus. Da die Zeit dränge, sei es wichtig, "möglichst frühzeitig Klarheit zu haben", sagte sie dem Blatt. Sollte sich Gorleben als ungeeignet erweisen, lasse sich eine Alternative "nicht aus dem Hut zaubern. Wir müssen uns gut überlegen, ob wir es uns leisten können, am Ende möglicherweise mit leeren Händen da zu stehen."

Atomforum bekräftigt Endlager-Eignung von Gorleben

Das Deutsche Atomforum hat die grundsätzliche Eignung des Gorlebener Salzstocks als Endlagerstandort für Atommüll bekräftigt. In der Kernenergie-Verständigung von 2001 hatte die damalige rot-grüne Bundesregierung laut Atomforum erklärt: "Die bisherigen Erkenntnisse über ein dichtes Gebirge und damit die Barrierefunktion des Salzes wurden positiv bestätigt. Somit stehen die bisher gewonnenen geologischen Befunde einer Eignungshöffigkeit des Salzstockes Gorleben ... nicht entgegen."

Erst nach Abschluss der Resterkundung in Gorleben lasse sich feststellen, ob der Salzstock geeignet sei oder nicht, betonte Hohlefelder. Die Erkundung müsse daher so schnell wie möglich zu Ende geführt und auf Basis dieser Untersuchungen ergebnisoffen entschieden werden. Sollte sich Gorleben wider Erwarten nicht als geeignet herausstellen, könnten diese Untersuchungsergebnisse für eine weitere Endlagerauswahl herangezogen werden.

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