Zum 1. Juli 2006

RAG übernimmt Degussa vollständig

Der Bergbau- und Energiekonzern RAG einigte sich gestern mit E.ON, dessen Anteil von knapp 43 Prozent an Degussa für fast 2,8 Milliarden Euro zu erwerben. Der Kaufpreise entspreche einem Wert von 31,50 Euro je Degussa-Aktie. Der Verkauf soll zum 1. Juli 2006 abgeschlossen sein.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp-nrw/sm) - Der Essener Bergbau- und Chemiekonzern RAG wird den Spezialchemie-Riesen Degussa komplett übernehmen und stellt damit eine entscheidende Weiche für seinen 2007 geplanten Börsengang. Für knapp 2,8 Milliarden Euro kauft die RAG, die bereits 50,1 Prozent an der Degussa hält, dem Düsseldorfer Energiekonzern E.ON dessen Degussa-Anteile von knapp 43 Prozent ab. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten E.ON und RAG am Montagabend nach außerordentlichen Aufsichtsratssitzungen, wie im Anschluss mitgeteilt wurde.

Der Kaufpreis entspricht den Angaben zufolge einem Wert von 31,50 Euro je Degussa-Aktie. Der Verkauf der Degussa-Anteile an die RAG soll bis zum 1. Juli 2006 abgeschlossen sein. Die freien Degussa-Aktionäre, die die verbleibenden sieben Prozent halten, will die RAG mit einem freiwilligen Übernahmeangebot von 42 Euro je Aktie zum Verkauf bewegen. Aktionäre, die das Angebot nicht annehmen, sollen per Barabfindung (Squeeze Out) herausgedrängt werden. Die im Nebenwerte-Index MDax notierte Degussa verschwindet dann vom Kurszettel.

Die vollständige Degussa-Übernahme sei ein "Meilenstein auf dem Weg an die Börse", sagt RAG-Chef Werner Müller. Das Spezialchemie-Geschäft soll die RAG vor allem attraktiver für künftige Investoren machen. Es soll neben Energie (Steag) und Immobilien die dritte Säule eines börsennotierte RAG-Konzerns bilden. Der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen müssen dem RAG-Kauf der restlichen Degussa-Anteile aber noch zustimmen.

Als wahrscheinlich gilt, dass die mit 4,6 Milliarden Euro verschuldete RAG den Aktienkauf mit der Veräußerung des Bauchemie-Geschäfts der Degussa finanziert. Es könnte nach Schätzungen von Analysten rund zwei Milliarden Euro Euro wert sein. Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF hat in der Vorwoche bereits Interesse an einer Übernahme der Sparte signalisiert.

Hindernis für den geplanten RAG-Börsengang ist damit noch die RAG-Bergbautochter DSK, die die deutschen Steinkohlezechen betreibt und für die Bergbaurisiken haftet. Sie könnte Plänen zufolge in eine Stiftung ausgegliedert werden. Als wahrscheinlich gilt, dass die erwarteten fünf Milliarden Euro aus dem RAG-Börsengang dann in die öffentliche Hand fließen, die im Gegenzug die RAG von allen Altlasten des Bergbaus befreit.

Von der Abgabe der Degussa-Anteile werden unterdessen die E.ON-Aktionäre kräftig profitieren. Vorstandschef Wulf Bernotat stellte für die Hauptversammlung im Mai eine Sonderdividende von 4,25 Euro in Aussicht: "Wir haben unseren Aktionären versprochen, ihnen den Gegenwert der Degussa-Beteiligung zukommen zu lassen." E.ON wird aus der Degussa-Abgabe nach eigenen Angaben einen Buchgewinn von 500 Millionen Euro einstreichen. Mit der Abgabe von Degussa konzentriert sich E.ON künftig ganz auf seine Sparten Strom und Gas.

Die Gewerkschaft IG BCE begrüßte die vollständige Degussa-Übernahme. Dies sei "eine wichtige Wegmarke für die Weiterentwicklung der RAG zu einem Energie-, Chemie- und Immobilienkonzern", sagte deren Vorsitzender Hubertus Schmoldt. Durch die Integration in den RAG-Konzern habe auch die Degussa gute Zukunftsperspektiven.

Von Frank Bretschneider

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