Interview

RAG-Chef fordert Strategie zur Sicherung der Energie- und Rohstoffversorgung

Im Gespräch mit dem Berliner "Tagesspiegel" hat der RAG-Vorstandsvorsitzende und ehemalige Bundeswirtschaftsminister Werner Müller eine langfristige Strategie von Wirtschaft und Regierung zur Sicherung der Energie- und Rohstoffversorgung gefordert. Die Nutzung der Atomenergie liegt für Müller - trotz Ausstiegsbeschluss - "auf Wiedervorlage"

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Berlin (red) - Der Vorstandsvorsitzende des Essener Energiekonzerns RAG und ehemalige Bundeswirtschaftsminister Werner Müller fordert eine langfristige Strategie von Wirtschaft und Regierung zur Sicherung der Energie- und Rohstoffversorgung. Es sei "nicht selbstverständlich, dass Deutschland ein Industrieland bleibt", sagte Müller dem Berliner "Tagesspiegel" (Ausgabe vom heutigen Montag).

Massive Kritik übte der RAG-Chef in diesem Zusammenhang an den Stahlkonzernen. "Hätte die Stahlindustrie langfristig vorausschauend geplant, hätten wir bei uns nicht so eine dramatische Rohstoffkrise", sagte Müller. Als Beitrag zur Sicherung der künftigen Rohstoffversorgung bietet der RAG-Chef deshalb auch an, eine neue Zeche zu bauen und die dort gewonnene Kokskohle "zu Kosten zu verkaufen. Ich will daran nichts verdienen", erläuterte Müller weiter. Die Zeche in der Nähe der Stadt Hamm will Müller "niemals auf eigene Rechnung bauen". Es sei nicht seine Aufgabe, "als RAG-Chef Daseinsvorsorge zu betreiben".

Müller beklagte den Mangel eines energiepolitischen Konzepts der rot-grünen Regierung. "Das letzte Energieprogramm für die Bundesrepublik Deutschland stammt von Helmut Schmidt aus dem Jahre 1980. Ein neues Programm habe auch er als Wirtschaftsminister nicht auflegen können, "weil es darüber mit den Grünen keinen Konsens gab". Er verteidigte den unter seiner Regie verhandelten Ausstieg aus der Atomenergie als "vernünftig, um eine gesellschaftspolitische Kontroverse abzuschließen".

Für Müller liegt die Nutzung der Kernkraft zur Stromerzeugung aber "auf Wiedervorlage". "Ob die Reaktoren tatsächlich alle wie geplant bis 2021 stillgelegt werden", das müsse man allerdings nicht mehr in diesem Jahrzehnt klären.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Rechnung

    Wie Familien die Stromrechnung der Industrie subventionieren

    Familien müssen die Stromrechnung der Industrie nach Berechnungen der Umweltschutzorganisation BUND mit rund 70 Euro pro Jahr subventionieren. Im nächsten Jahr werde diese Subvention für die vom BUND als Modell genommenen vierköpfigen Familien sogar auf rund 80 Euro steigen, erklärte die Organisation am Montag in Berlin.

  • Atomenergie

    Berlin will offenbar weiterhin AKW-Ausbau fördern

    Die Opposition hat sich empört über einen Bericht gezeigt, wonach Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) auch künftig den Bau von Atomkraftwerken im Ausland mit deutschen Steuergeldern fördern will. Einem Medienbericht zufolge will der Minister an dieser Förderung festhalten.

  • Hochspannungsmasten

    Kernkraftwerke steigern Produktion und Verfügbarkeit

    Die in Betrieb befindlichen 19 deutschen Kernkraftwerke haben 2003 insgesamt 165,1 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt. Damit wurde die Produktivität des Vorjahres (164,8 Milliarden Kilowattstunden) übertroffen. Der Reaktor Isar 2 (1475 Megawatt) lieferte mit 12,3 Milliarden Kilowattstunden den meisten Strom.

  • Strom sparen

    DatF: Deutsche Ausstiegspolitik macht international keine Schule

    Das Deutsche Atomforum e.V. sieht die Kernenergie europaweit im Aufwind: Nach wie vor ist Kernenergie nach fossilen Brennstoffen die zweitwichtigste Stromquelle in der Europäischen Union - und das wird auf absehbare Zeit wohl auch so bleiben. DatF-Chef Michel kritisierte im Rahmen der Wintertagung auch die Verzögerung bei der Endlagersuche.

  • Stromtarife

    Clement kündigt schlanke und effektive Regulierung an

    Wirtschaftsminister Wolfgang Clement hat sich auf seiner Eröffnungsrede der Handelsblatt-Jahrestagung Energie in Berlin zur Einrichtung der Regulierungsbehörde und zur Einführung des Emissionshandels geäußert, der Branche dabei allerdings nicht viel Neues mitgeteilt. So viel bleibt klar: Die neuen Umsetzung der Herausforderungen soll den Investitionsstandort nicht gefährden.

Top