Keine Brennelemente

Rätsel um Brennelement-Kugeln in der Asse

Im Atommülllager Asse liegen offenbar schon länger kugelförmige Brennelemente, als Betreiber und Behörden bislang zugegeben haben. Laut dem Forschungszentrums Jülich, aus dem die Brennelement-Kugeln stammen, handele es sich dabei größtenteils um "Absorber-Kugeln", keine Brennelemente.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Wolfenbüttel (ddp-nrd/sm) - Aus Begleitpapieren, die der Nachrichtenagentur ddp vorliegen, geht hervor, dass bereits 1967 und 1969 solche Brennelemente mit einer Graphitummantelung angeliefert und eingelagert wurden. Bereits in der vergangenen Woche hatte ddp erfahren, dass zwischen 1973 und 1976 fast hundert Fässer mit radioaktiven Graphitkugeln aus einem Versuchsreaktor in Jülich in die Asse gebracht wurden.

Nach Angaben des Forschungszentrums Jülich handelt es sich bei den Anlieferungen in den 70er Jahren jedoch nur teilweise um Brennelemente aus einem Versuchsreaktor. Bis auf acht Fässer habe es sich vielmehr um sogenannte Absorber-Kugeln gehandelt, sagte der Sprecher des Forschungszentrums, Peter Schäfer.

Nach Schäfers Angaben wurden die "Absorber-Kugeln" unter die ebenfalls kugelförmigen Brennelemente gemischt. Sie hätten dazu gedient, die nukleare Kettenreaktion in dem Versuchsreaktor der damaligen Kernforschungsanlage Jülich "moderat zu halten". "Es waren zwar radioaktive Abfälle, aber eben keine Brennelemente", sagte er.

Auf die Frage, ob es sich bei den bestrahlten "Absorber-Kugeln" um hoch radioaktiven Müll gehandelt habe, erklärte Schäfer, es habe damals keine verbindlichen Kriterien für hoch radioaktive Abfälle gegeben.

Weiteren ddp-Informationen zufolge sollen jedoch schon von 1967 bis 1969 mindestens 42 Fässer mit kugelförmigen Brennelementen angeliefert worden sein. Diese waren laut Frachtpapieren aus Uran. Lieferant war den Unterlagen zufolge die Brennelementefabrik Nukem mit Sitz in Hanau. Der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) hatte dem Unternehmen 1988 nach einem Skandal um falsch deklarierten Atommüll die Betriebserlaubnis entzogen.

Der Betreiber der Asse, das Helmholtz-Zentrum München sowie das niedersächsische Umweltministerium, räumten die Anlieferung von acht Fässern mit Brennelemente-Kugeln ein. Helmholtz-Sprecher Heinz-Jörg Haury bezeichnete diese Abfälle als "mittel radioaktiv". Nach Ansicht von Bürgerinitiativen und des atomkritischen Chemie-Professors Rolf Bertram aus Göttingen sind die Graphit-Kugeln "eindeutig hoch radioaktiv".

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