Betreiber bestreitet Vorwürfe

Radioaktive Lauge von Asse nach Celle gebracht?

Der Betreiber des Atommülllagers Asse II bei Wolfenbüttel soll radioaktiv verseuchte Lauge aus dem Bergwerk in die Grube Maria Glück bei Celle transportiert haben. Dies haben Medien unter Berufung auf Bundesumweltminister Gabriel berichtet. Der Betreiber dementiert die Berichte, die transportierte Flüssigkeit sei nicht belastet gewesen

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Wolfenbüttel (ddp-nrd/sm) -"Es stimmt zwar, dass wir über einen Zeitraum von etwa zwölf Jahren Lauge aus der Asse an andere Orte gebracht haben", sagte der für Asse II zuständige Sprecher des Helmholtz-Zentrums München, Heinz-Jörg Haury, am Dienstag auf ddp-Anfrage. Die Flüssigkeit sei aber nicht radioaktiv belastet gewesen.

Bei der an andere niedersächsische Orte transportierten Lauge habe es sich um die salzhaltige Flüssigkeit gehandelt, die seit Jahren aus unbekannter Quelle in das Bergwerk sickert. Täglich seien es rund zwölf Kubikmeter.

Kürzlich war bekannt geworden, dass durch das Bergwerk auch Lauge schwappt, die mit Cäsium und anderen radioaktiven Substanzen belastet ist. "Diese Flüssigkeit haben wir auf die 950-Meter-Sohle des Bergwerks gepumpt", sagte Haury. Das Umweltministerium in Hannover hat das Ableiten der radioaktiven Lauge inzwischen untersagt. Sie wird nach Angaben des Helmholtz-Zentrums stattdessen in Tanks aufgefangen.

Gabriel: "So nebenbei" mitgeteilt

Medien hatten zuvor unter Berufung auf Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) berichtet, der Asse-Betreiber habe über Jahre verseuchtes Wasser in der Grube Maria Glück bei Celle entsorgt. Dies habe das niedersächsische Umweltministerium "so nebenbei" mitgeteilt. Über den Transport sei kein Buch geführt worden, bis heute lägen keine Genehmigungsunterlagen vor. Gabriel habe in einem Brief an Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) Aufklärung gefodert. Er wolle wissen, ob die Bürger informiert worden seien und ob eine Gefahr bestanden habe. Gabriel hielt sich am Dienstag im Rahmen einer umweltpolitischen Sommerreise in Bayern auf.

Der niedersächsische Umweltstaatssekretär Stefan Birkner hat Gabriels Äußerungen zu dem Transport der Lauge als "unverantwortlich" bezeichnet. Die Messwerte unter anderem für Tritium, Uran-238 und Uran-235 der nach Mariaglück verbrachten Lauge seien "weit unterhalb der Grenzwerte, die für die Verbringung in ein anderes Bergwerk gelten, geblieben", sagte Birkner. Die Verbringung sei somit aus Strahlenschutzgesichtspunkten "unbedenklich" gewesen.

Grüne fordern umgehend Aufklärung

Die Grünen im niedersächsischen Landtag haben derweil ihre Kritik an Umweltminister Sander verschärft. Sander habe "eine Spur der Zerstörung von Verantwortung und Vertrauen durchs ganze Land gezogen", sagte Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel.

Es müsse umgehend geklärt werden, welche Personen im Umweltministerium zu welchem Zeitpunkt Kenntnis von den Vorgängen gehabt hätten, forderte Wenzel. Sander müsse im Umweltausschuss des Landtags "Rede und Antwort darüber stehen, welche Mengen nach Celle verbracht wurden, welche anderen Stellen möglicherweise beliefert wurden, welche radioaktiven Isotope in welcher Konzentration enthalten waren und über welche Pfade die Lauge kontaminiert wurde."

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