"Querstellen statt transportieren": Umweltschützer lehnen Gespräch mit Trittin über Castor-Transporte ab

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com
Die Umweltverbände Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) und ROBIN WOOD haben heute in Berlin gemeinsam mit Vertretern von "X-tausendmal quer" und den Bürgerinitiativen Ahaus und Lüchow-Dannenberg der Einladung von Umweltminister Jürgen Trittin zu einem Gespräch über die bevorstehenden Castor-Transporte eine Absage erteilt. Die Atommülltransporte stünden bereits fest und es gebe keinen Verhandlungsspielraum mehr, weshalb ein solches Gespräch keinen Sinn mache. Nur wenn es tatsächlich darum gehe, den Atomausstieg zu beschleunigen und die Gespräche ergebnisoffen seien, habe das Anti-Atom-Bündnis Interesse daran. Jetzt könnten nur noch Proteste gegen die kommenden Atommülltransporte helfen, den Ausstieg aus der Atomkraft zu beschleunigen.



"Die Castor-Transporte von La Hague nach Gorleben dienen nicht dem Atomausstieg, sondern sorgen im Gegenteil für den Weiterbetrieb der gefährlichen Atomreaktoren", so Renate Backhaus, atompolitische Sprecherin des BUND-Bundesvorstands. Deshalb gelte es, die Transporte verhindern. "Wir lassen uns auch von einer rot-grünen Bundesregierung nicht unsere Proteste gegen den Atom-Nonsens verbieten und rufen alle auf, sich daran zu beteiligen", so Backhaus. Es liegt auf der Hand, dass der BUND gewillt ist, Stärke zu zeigen: "Für uns ist und bleibt der sofortige Ausstieg aus der Atomkraft unabdingbar".



Bettina Dannheim, Energiereferentin von ROBIN WOOD, warf der Regierung vor, dass sich die Atomindustrie noch immer "mitten im Castor-Skandal" befinde. Bereits bei der Erprobung neuer Beladetechniken habe es im Atomkraftwerk Philippsburg Mängel gegeben; so seien etwa die Kontaminationsgrenzwerte der Transportbehälter überschritten worden. "Trotz der bisher ungeklärten Probleme soll der Strahlenmüll nach England oder Frankreich transportiert werden - das ist völlig inakzeptabel", so Dannheim.



Peter Bauhaus, Vorstandsmitglied der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg, warf der Politik vor, dass es ihre Absicht sei, "die Entscheidung für einen ungeeigneten Salzstock und Gorleben als Endlager zu zementieren - trotz des angeblichen Moratoriums". Gorleben habe eine reine Alibifunktion - es gebe keine Entsorgung. Ähnlich äußerte sich Felix Ruwe von der Bürgerinitiative Ahaus: "Immer wenn Atommüll in Zwischenlager wie Ahaus und Gorleben transportiert wird, täuscht das eine Entsorgungsmöglichkeit für diesen hochgiftigen Müll vor. Eine sichere Lagerung von radioaktiven Abfällen über Millionen von Jahren kann es aber nicht geben. Zudem erhöht sich mit jedem Kilometer, den der Atommüll durch die Landschaft gefahren wird, die Wahrscheinlichkeit von Unfällen und radioaktiver Verseuchung". Noch deutlicher formulierte es Eduard Bernhard, Vorstandsmitglied und energiepolitischer Sprecher des BBU: "Dieser Müll ist ein einzigartiger Anschlag auf die kommenden Generationen!".



Deutsche und französische Anti-Atom-Initiativen haben bereits Widerstand auf der Transportstrecke angekündigt. In Ahaus soll am 18. Februar eine Anti-Atom-Demo stattfinden, in Lüchow-Dannenberg ist eine Demonstration für den 24. März angekündigt.

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