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Protestaktion gegen Vattenfalls Braunkohle-Vorhaben

Hunderte Menschen haben am Samstag in Brandenburg gegen die Pläne des Energiekonzerns Vattenfall zum Aufschluss weiterer Tagebaue in der Lausitz sowie gegen neue Braunkohlekraftwerke demonstriert. Zwischenfälle habe es keine gegeben.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Jänschwalde (ddp/sm) - Zu der Protestaktion vor dem Braunkohlekraftwerk Jänschwalde sowie einer weiteren Demonstration im hessischen Großkrotzenburg hatte die bundesweite Klima-Allianz aufgerufen. Nach Angaben der Organisatoren nahmen in Brandenburg 1100 Menschen an der Veranstaltung teil. Laut Polizei gab es keine Zwischenfälle.

Die Demonstranten in Jänschwalde trugen Plakate und Transparente mit Aufschriften wie "CO2-Halbierung sofort", "Stoppt den Tagebau" und "Vattenfall ist der größte Entvölkerer der Lausitz". Unter ihnen waren zahlreiche Bewohner der von Abbaggerung bedrohten Dörfer. Die Protestaktion endete am Abend mit einem Freiluftgottesdienst und einem Konzert an der Tagebaukante im Dorf Kerkwitz.

In Großkrotzenburg demonstrierten Umweltaktivisten gegen die Erweiterung des Kohlekraftwerks Staudinger. Die Polizei sprach von rund 2000 Kundgebungsteilnehmern, die Veranstalter zählten 5000 Teilnehmer.

Veranstalter René Schuster von der Grünen Liga Brandenburg forderte in Jänschwalde einen Ausstieg aus der Braunkohle-Nutzung. Er kritisierte, der Braunkohletagebau entvölkere die Region und verhindere "jede weitere Zukunftsfähigkeit". Er warb auch für die Unterstützung eines Volksbegehrens gegen Tagebaue.

Die Landesvorsitzende der brandenburgischen Grünen, Ska Keller, warf der Landesregierung in der Braunkohlepolitik Wortbruch vor. "In den 90er Jahren sollte Horno das letzte Dorf sein, das dem Tagebau weichen muss", sagte sie. Mittlerweile kämen immer mehr Dörfer hinzu. Die Vertreterin der Antikohlekampage der Klima-Allianz, Daniela Setton, verwies auf die "immense Umweltbelastung" durch Braunkohlekraftwerke.

Der Vorsitzende des Vorstands von Vattenfall Europe Mining & Generation, Reinhardt Hassa, betonte, das Unternehmen unterstütze die Forderung der Demonstranten nach mehr Engagement für den Klimaschutz. Allerdings sehe er zur Braunkohlenutzung keine Alternative, da der Energiebedarf weltweit steige.

Hassa unterstrich, dass Braunkohlestrom durch CO2-Abscheidung und -Speicherung klimafreundlicher werde. Mit der Inbetriebnahme der weltweit ersten Pilotanlage auf Braunkohlenbasis in Schwarze Pumpe Anfang September sei hierfür ein "wichtiger Meilenstein" gelegt worden.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Vattenfall Europe Mining AG, Helmut Franz, hob die Bedeutung des Unternehmens als Arbeitgeber in der Region hervor. Seit Beginn des Jahrzehnts seien über 1000 Stellen für Jungfacharbeiter entstanden, davon 600 unbefristet.

Gegen neue Tagebaue in Brandenburg richtet sich auch das Volksbegehren, das am 10. Oktober beginnen soll. Für einen Erfolg müssen 80 000 wahlberechtigte Brandenburger innerhalb von vier Monaten auf den Meldestellen unterschreiben. Im Mai hatten die Organisatoren über 26 000 Unterschriften für eine Volksinitiative gegen neue Tagebaue an Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) übergeben.

Vattenfall plant in der Lausitz neue Tagebaue. Danach sollen ab Ende der 2020er Jahre zusätzlich zu den bereits genehmigten Tagebauen drei neue Braunkohle-Felder im Brandenburger Teil der Lausitz aufgeschlossen werden. Für einen von ihnen müssten drei Dörfer mit rund 900 Einwohnern umgesiedelt werden.

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