Deutsch-polnische Grenze

Polnische Grenzstadt Gryfino plädiert doch für Atomkraftwerk

Die polnische Grenzstadt Gryfino unweit von Schwedt hält offenbar doch an den Plänen zum Bau eines Atomkraftwerkes fest. "Wir sind weiter als Standort für ein Atomkraftwerk im Gespräch", sagte Bürgermeister Henryk Pilat der "Berliner Zeitung". Berichte, nach denen die Stadt entsprechende Pläne aufgegeben habe, nannte er "erlogen".

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin/Gryfino (ddp-lbg/red) - Die "Märkische Oderzeitung" hatte berichtet, Gryfino habe sich von den Plänen zum Bau eines Kernkraftwerks verabschiedet. "Angesichts der heftigen Proteste in Deutschland hat es keinen Sinn, weiter darüber nachzudenken", zitierte das Blatt den Bürgermeister.

Besonders die Demonstration von Atomkraftgegnern in Berlin am vergangenen Wochenende habe ihn beeindruckt. Der in Nachbarschaft zum deutschen Nationalpark Unteres Odertal gelegenen Stadt sei vor allem an der Modernisierung des veralteten Kohlekraftwerks gelegen, in dem zurzeit 2200 Beschäftigte arbeiten.

Bedenken von deutscher Seite lediglich weitergegeben

Der "Berliner Zeitung" sagte Pilat den Angaben zufolge, er habe lediglich die polnische Regierung in Warschau auf die Proteste in Deutschland aufmerksam gemacht. "Die Bewerbung habe ich aber nie zurückgezogen", sagte der Bürgermeister. Eine andere Entscheidung könne er schon deshalb nicht treffen, weil die meisten Bewohner von Gryfino den Bau eines Atomkraftwerks befürworteten. "Das Projekt würde Arbeitsplätze schaffen. Viele Menschen sind hier im Energiesektor beschäftigt und das jetzige Kohlekraftwerk ist überaltert", zitiert die Zeitung Pilat.

Die Entscheidung für das erste von insgesamt drei in Polen geplanten Atomkraftwerken soll voraussichtlich Mitte 2012 fallen. Als Standorte haben sich rund ein Dutzend Städte beworben. Für Gryfino spricht vor allem die Lage an der Oder. Der Fluss könnte das Kühlwasser für die Reaktoren liefern.

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