Politiker fordern Stromregulierungsbehörde

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com
Der SPD-Energieexperte Hermann Scheer und der umweltpolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Reinhard Loske, haben sich gegenüber der gestern erschienen "Bild am Sonntag" (BamS) für eine mit unabhängigen Experten besetzte Regulierungsbehörde ausgesprochen, die - analog der Regierungsbehörde für Post und Telekommunikation - den liberalisierten Strommarkt überwacht, vor allem hinsichtlich der unterschiedlich ausfallenden Durchleitungsgebühren. Beispiel: Die Berliner BEWAG verlangt 6,65 Pfennig je Kilowattstunde, während die Stadtwerke Bielefeld nur 3,26 Pfennig berechnen. SPD-Politiker Scheer gegenüber der BamS: "So schnell, wie sich der Strommarkt entwickelt, brauchen wir ab sofort eine Wettbewerbsbehörde".


Scheer begründete dies damit, dass es ansonsten "zu einem unfairen Verdrängungswettbewerb der Stromriesen gegen kleine Anbieter und Stadtwerke" komme. Und: "Wenn weiter nur wenige Unternehmen den Markt unter sich aufteilen, stiegen die Strompreise sogar wieder." Diese (vermeintliche) Gefahr wird übrigens auch von den kleineren Stromanbietern geteilt, namentlich etwa von Robert H. Kyrion, Vorstand der KaWatt AG.


Der Grüne Reinhard Loske betonte, daß man "eine klare Durchleitungsregelung mit einheitlichen Tarifen und eine funktionstüchtige Wettbewerbsaufsicht" benötige. Scheer weiter: "Wenn es einen reinen Preiswettbewerb nach unten gibt, könnten Ökologie und Verbraucherschutz auf der Strecke bleiben. Die Politik ist aufgefordert, das zu verhindern".


Wie die BamS weiter berichtet, nimmt der Bund der Energieverbraucher an, dass die derzeit bei durchschnittlich 100 Mark im Monat liegende Stromrechnung von Privathaushalten bereits bis zum Jahresende um ein Drittel geringer ausfallen wird. Auch der Vorsitzende des Bundes, Aribert Peters, sprach sich für eine Regulierungsbehörde aus: "Weil die Stromnetze wenigen großen Energieversorgern gehören, wollen die natürlich auch das Geschäft damit machen. Das ist so, als ob Mercedes alle Autobahnen gehören würden und das Unternehmen bestimmen könnte, wer darauf fahren darf".


Einem Umfrageergebnis zufolge würden 35 Prozent von 1.100 Befragten bereits bei einer Einsparung von bis zu 100 Mark im Jahr den Stromlieferanten wechseln. 26 Prozent würden dies nach eigenen Angaben bei einer Ersparnis von 100 bis 200 Mark pro Jahr tun, und weitere 26 Prozent würden einen Wechsel bei über 200 Mark jährlicher Einsparung in Betracht ziehen. Nur sieben Prozent der vom Bonner Institut Dimap im Auftrag von MDR und «Bild»-Zeitung Befragten zeigten sich grundsätzlich nicht an einem Wechsel interessiert, die restlichen sechs Prozent machten keine Angaben.

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