Gerichtsentscheidung

Pinneberg: E.ON Hanse darf Strom nicht abdrehen

E.ON Hanse AG hat vor dem Amtsgericht Pinneberg einen Rechtsstreit mit einer Heizstromkundin verloren, der eine Stromsperre angedroht worden war. Die Kundin hatte sich seit Januar 2006 geweigert, den von E.ON Hanse geforderten um 28 Prozent teureren Allgemeinen Stromtarif (Grundversorgung) zu bezahlen.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg/Pinneberg (red) - Der Versorger hatte zum Ende 2005 den bestehenden langjährigen Heizstromvertrag der Kundin gekündigt, weil diese nicht bereit war, den neuen, teureren, "ThermoStrom"-Vertrag zu unterzeichnen. Angaben der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein zufolge unterzeichneten 7000 weitere Kunden den neuen Vertrag ebenfalls nicht. Nach Auffassung der Verbraucherschützer benachteiligen die Preisänderungsklauseln des ThermoStrom-Vertrages die Kunden, daher werden diese Klauseln aktuell vom Landgericht Itzehoe auf ihre Wirksamkeit überprüft.

Im vorliegenden Fall habe E.ON der Kundin ab Januar 2006 nicht mehr den Tarif des alten Heizstromvertrages in Höhe von 7,4 Cent pro Kilowattstunde berechnet, sondern den 9,52 Cent pro Kilowattstunde teuren Allgemeinen Stromtarif. Die Heizstromkundin forderte E.ON Hanse daraufhin per Musterschreiben der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein auf, die "Billigkeit" des erhöhten Strompreises nachzuweisen.

E.ON verweigerte erwartungsgemäß diesen Billigkeitsnachweis und forderte von der Kundin weiterhin erhöhte monatliche Vorauszahlungen. Als die Kundin unter Verweis auf die nicht nachgewiesene Billigkeit nur Vorauszahlungen in der bisherigen Höhe zahlte, drohte E.ON Hanse zum 12. Juli 2006 mit einer Versorgungssperre. Die von der anwaltlich vertretenen Kundin beim Amtsgericht Pinneberg daraufhin beantragte Einstweilige Verfügung auf Unterlassung der Versorgungssperre konnte E.ON Hanse nur durch die schriftliche Rücknahme der Sperrandrohung abwenden. E.ON Hanse erklärte sich ferner bereit, alle der Kundin entstandenen Gerichts- und Rechtsanwaltskosten zu übernehmen.

Erfreulich für alle Heizstromkunden sei, dass das Amtsgericht Pinneberg durch rechtskräftigen Beschluss vom 19.07.2006 (Az. 67 C 123/06) ausdrücklich hervorhebt, dass es die beantragte Einstweilige Verfügung gegen E.ON Hanse erlassen hätte, wenn der Energieversorger die Sperrandrohung nicht zurück genommen hätte, erläutert die Verbraucherzentrale und empfiehlt deshalb den 7000 weiteren ThermoStrom-Verweigerern, nur den Heizstrompreis aus dem bisherigen Vertrag mit E.ON zu bezahlen und sich auch von Sperrandrohungen des Versorgers nicht beeindrucken zu lassen.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Smart Meter

    Stromspiegel entlarvt Energiefresser-Haushalte

    Der aktuelle Stromspiegel macht es Verbrauchern besonders leicht, den eigenen Stromverbrauch zu bewerten. Demnach liegt beispielsweise der durchschnittliche Verbrauch eines Dreipersonenhaushaltes in einer Wohnung bei 2.600 kWh Strom im Jahr. Sparsame Haushalte benötigen nur 1.700 kWh und sparen damit rund 260 Euro.

  • Strompreiserhöhung

    Vergleich: Belastung durch Stromkosten im Osten deutlich höher

    Bei den Stromkosten trifft es Verbraucher im Osten des Landes deutlich härter als im Westen. Das liegt zum einen daran, dass die Strompreise variieren. Zum anderen fällt wegen der unterschiedlich hohen Gehälter die Belastung für Ostdeutsche aber noch höher aus.

  • Hochspannungsleitung

    Leipziger "PennyStrom": Verbraucherschützer skeptisch

    Sachsens Verbraucherschützer bewerten ein neues Stromangebot aus Leipzig-Markkleeberg skeptisch. Seit einigen Monaten bietet dort die Ascard GmbH "PennyStrom"-Pakete mit einer Preisgarantie von drei, fünf oder zehn Jahren an. Der Strom kostet je nach Vertragslaufzeit zwischen 17 und 11 Cent pro Kilowattstunde.

  • Hochspannungsleitung

    GGEW AG senkt Strom- und Gaspreise

    Für Stromverbraucher im Süden Hessens sinken ab 1. August die Preise für Strom und Gas. Die Gruppen- Gas- und Elektrizitätswerk AG (GGEW AG) kündigte in Bensheim (Landkreis Bergstraße) eine spürbare Preisreduzierung an. Wer 3000 Kilowattstunden Strom und 20 000 Kilowattstunden Gas verbraucht, spart 100 Euro.

  • Energieversorung

    Entega ändert Strom- und Gastarifstruktur

    Zum 1. August führt die Entega, die regionale Vertriebsgesellschaft der HEAG Südhessischen Energie AG (HSE) und der Stadtwerke Mainz AG, ein neues Preis- und Tarifsystem ein. Dann wird es für Strom und Erdgas jeweils nur noch zwei übersichtliche Tarife geben. Und: Die Preise sinken!

Top