Saubere Stromerzeugung

Pilotanlage zur CO2-Rauchgaswäsche nimmt Betrieb auf

RWE hat die bundesweit erste Kohlendioxid-Rauchgaswäsche gestartet. Eine Pilotanlage ging am Dienstag im Braunkohlekraftwerk Bergheim-Niederaußem bei Köln in Betrieb. Die neun Millionen Euro teure Anlage kann bis zu 90 Prozent des CO2 aus den Rauchgasen filtern.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Bergheim-Niederaußem (ddp-nrw/red) - Die Anlage soll helfen, technische Erfahrungen für spätere entsprechend ausgerüstete Großanlagen zu sammeln. Die Abscheidung und spätere Einlagerung von CO2 (kurz: CCS - Carbon Capture and Storage) gilt als Schlüsseltechnologie für eine umweltfreundlichere Braunkohleverstromung. Das bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe entstehende CO2 trägt maßgeblich zur weltweiten Klimaerwärmung bei.

Kein Signal gegen erneuerbare Energien

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagte bei der Inbetriebnahme, mit dem Start der Testanlage werde ein "wichtiges Kapitel Technologiegeschichte" geschrieben. Mit Hilfe von CCS könne die mit heimischer Braunkohle gewonnene "sichere und bezahlbare" Energie mit dem Klimaschutz verbunden werden. Die Testanlage sei aber "kein Signal" gegen erneuerbare Energien. Doch auch langfristig werde die Kohle wichtiger Energieträger bleiben.

CCS-Gesetz soll nach Bundestagswahl kommen

Guttenberg forderte, zügig einen rechtlichen Rahmen für die CCS-Technologie zu schaffen. Dies müsse nach der Bundestagswahl eine der ersten Aufgaben der neuen Regierung sein. Im Juli war das geplante CCS-Gesetz im Bundestag gescheitert, weil sich die Fraktionen von CDU/CSU und SPD nicht auf einen einheitlichen Entwurf verständigen konnten. Das Gesetz gilt als Voraussetzung dafür, dass die CCS-Technik zur Marktreife entwickelt werden kann. Ab 2020 sollen moderne Kraftwerke mit einer CO2-Wäsche ausgestattet sein und das abgetrennte Gas langfristig gelagert werden.

CO2-Abscheidung nicht nur für Kohlekraftwerke wichtig

RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann warnte vor einer "Dämonisierung" der CCS-Technologie in der Öffentlichkeit. Das Verfahren sei nicht nur für Kraftwerksbetreiber von Bedeutung, sondern auch für Chemiewerke, Raffinerien, Hüttenwerke und Zementfabriken. Für den Erfolg dieser Technologie brauche es aber einen "Gleichschritt von Wirtschaft und Staat" und damit "ein gutes CCS-Gesetz". RWE plant in Hürth bei Köln das weltweit erste Braunkohle-Großkraftwerk mit CO2-Abscheidung. Es soll 2015 ans Netz gehen.

Minister lobt Projekt - Umweltschützer demonstrieren

NRW-Ministerpräsident Rüttgers (CDU) sagte, 90 Prozent des Stroms im Bundesland würden mit Braun- und Steinkohle sowie Gas erzeugt. Daher seien hocheffiziente Kraftwerke, die die alten Anlagen schrittweise ersetzten, der wichtigste Beitrag für den Klimaschutz.

Vor dem Kraftwerk protestierten der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Bürgerinitiativen gegen die Pilotanlage. Sie forderten einen Stopp der CCS-Technologie, die ein "energiepolitischer Irrweg und ökologisches Feigenblatt für Klimakiller" sei.

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