600 Kilometer

PDS hält Atommülltransport für "Katastrophe"

Sechs Castorbehälter mit hoch radioaktiven Brennstäben werden seit heute Mittag auf der A 4 vom sächsischen Rossendorf bei Dresden über Thüringen ins westfälische Ahaus gebracht. Unter den Demonstranten sind auch Abgeordnete der Thüringer PDS. Sie befürchten einen Unfall bei dem 600 Kilometer langen Transport.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Erfurt (ddp-lth/sm) - Mit einer mehrstündigen Demonstration auf einem Parkplatz der Autobahn 4 bei Gotha wollen Thüringer PDS-Landtagsabgeordnete am Montag gegen den Atommülltransport von Sachsen nach Nordrhein-Westfalen protestieren. Es sei eine "Katastrophe", dass der Atommüll erstmals 600 Kilometer weit über Straßen transportiert werde, sagte die Abgeordnete Johanna Scheringer-Wright am Montag in Erfurt. Die Gefahr eines Unfalles sei sehr hoch. Die Folgen seien unvorstellbar.

Es sei "irrwitzig", Atommüll von einem vollen Zwischenlager in ein nächstes weiter zu transportieren, sagte die Abgeordnete. Ein Endlager gebe es immer noch nicht. Die Unfälle mit Atomkraftwerken hätten gezeigt, dass die Technologie nicht beherrschbar sei. Die überwiegende Mehrheit der Deutschen lehne sie ab.

Aus Sicht des Landesvorsitzenden des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Ron Hoffmann, bleibt die sichere und friedliche Nutzung der Atomenergie eine Illusion. "Die Atomindustrie hat die Endlagerfrage für hochradioaktiven Atommüll längst auf ihre Weise gelöst", sagte er. Sie habe den Castor zum rollenden Endlager gemacht, in dem sie Atommüll von Zwischenlager zu Zwischenlager karre.

Nach Angaben des BUND ist mit einer weiteren Zunahme der Atomtransporte zu rechnen. Selbst wenn eine neue Bundesregierung den Atomkonsens zwischen Regierung und Stromwirtschaft nicht kippe, werde sich bis zum Abschalten des letzten Atommeilers in 15 Jahren der radioaktive Müll in Deutschland verdoppeln, befürchtet Hoffmann.

Die sechs Castorbehälter mit hoch radioaktiven Brennstäben werden seit Montagmittag auf der A 4 vom sächsischen Rossendorf bei Dresden über Thüringen ins westfälische Ahaus gebracht. Tausende Polizisten sind zur Sicherung eingesetzt.

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