Ende 2012 geplant

Ostdeutsche Kernkraftwerke zu 75 Prozent zurückgebaut

Der Rückbau der nach der Wende stillgelegten ostdeutschen Kernkraftwerke in Rheinsberg (Brandenburg) und Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) geht in seine Endphase. Die Anlagen seien inzwischen zu fast 75 Prozent zurückgebaut worden, teilte die Energiewerke Nord GmbH (EWN) mit.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Lubmin/Rheinsberg (ddp-lbg/sm) - Laut EWN-Geschäftsführer Dieter Rittscher sollen die Arbeiten im Jahre 2012 abgeschlossen sein. Die Entsorgung der insgesamt sechs kontaminierten Atommeiler kostet schätzungsweise 3,2 Milliarden Euro. Nach wie vor sei jedoch nicht die Beseitigung der baulichen Hüllen geplant. Ein Teil der Gebäude werde neuen Nutzungen zugeführt, darunter das riesige ehemalige Maschinenhaus in Lubmin, in dem bereits seit 2007 Kranteile und Schiffssektionen produziert werden.

In Rheinsberg sei die Demontage aktivierter Komponenten in einer Nasslegestation inzwischen abgeschlossen worden, sagte Rittscher. Die zerlegten Teile würden schrittweise nach Lubmin transportiert und im ZLN eingelagert. Ein Nachnutzungskonzept für den Standort werde gegenwärtig von einem Expertenteam der Technischen Fachhochschule Wildau erstellt.

In Lubmin wird nach der Einlagerung der Reaktordruckbehälter der Blöcke 1 und 2 in das Zwischenlager gegenwärtig die Überführung der Meiler 3 und 4 vorbereitet. Die beiden Druckgefäße sollen mit den eingesetzten Reaktorschächten umgelagert werden. Zudem erwarte die EWN für Mitte dieses Jahres die Genehmigung für den Abriss des ehemaligen und inzwischen freigeräumten Nasslagers für abgebrannte Brennelemente, sagte der EWN-Chef. Das frühere Sanitär- und Laborgebäude sei bereits abgebrochen worden.

Ein Viertel der EWN-Belegschaft arbeitet an Fremdaufträgen

Fast ein Viertel der rund 850 Mitarbeiter zählenden Belegschaft der bundeseigenen EWN arbeitet inzwischen an Fremdaufträgen, darunter am Rückbaukonzept im Forschungszentrum Jülich (Nordrhein-Westfalen). Um den vor 20 Jahren abgeschalteten ersten deutschen Hochtemperaturreaktor zu zerlegen, sei im November Porenleichtbeton in den Reaktorbehälter gefüllt worden, sagte Rittscher. In der 1990 geschlossenen Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe wurde 2008 eine Verglasungsanlage zur Einbindung von hoch radioaktiven Abfällen fertiggestellt.

Bei der Entsorgung von fast 200 russischen Atom-U-Booten in Murmansk wurde im vergangenen Sommer ein von der EWN konzipiertes Langzeitlager für 120 Reaktorsektionen übergeben. Geplant ist zudem der Bau eines atomaren Zwischenlagers bis 2014. Organisatorische und technische Hilfe leisteten EWN-Experten auch bei der Stilllegung des Kernkraftwerkes Bohunice in der Slowakei.

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