Mühlentag in Geesow

Ort setzt auf die Nutzung regenerativer Energien

Das Örtchen Geesow im äußersten Nordosten Brandenburg öffnete gestern seine Salvymühle für Besucher. Der Inhaber, Gerd Hampel, hat gleichzeitig ein Netzwerk für die regenerative Energienutzung aufgebaut und will die flächendeckende Erzeugung von Energie in den Landwirtschaftsbetrieben der Region etablieren.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Geesow (ddp-lbg/sm) - Gerd Hampel führt Gäste durch die Geesower Salvymühle. Der Mühlenbesitzer setzt die uralten Wellen und Mahlwerke in Gang, so genannte Transportschnecken drehen sich, Holz ächzt und stöhnt. Mit einem Seil bewegt Hampel den Mühlenaufzug, Transmissionsriemen setzen überall in der Mühle uralte Geräte in Bewegung. "Bis auf die Tatsache, dass nicht mehr Wasser, sondern Strom die Mühle treibt, funktioniert hier alles so wie vor 100 und noch mehr Jahren", versichert Hampel.

Zum deutschen Mühlentag, den die deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde traditionell am Pfingstmontag veranstaltete, wurden überall in Deutschland alte Mühlen geöffnet. In Geesow im äußersten Nordosten Brandenburgs erlebten die Besucher einen komplett funktionierenden Mühlenbetrieb. "Und das an einem Standort, an dem seit über 700 Jahren Getreide gemahlen wird", verrät Hampel. "Die Mühle selbst wurde natürlich immer wieder umgebaut und veränderten technischen Gegebenheiten angepasst", sagt er.

Gerd Hampel kaufte Mitte der 90er Jahre die alte Mühle und gründete einen Betrieb mit Ferienwohnungen und den Mühlenverein. Der Verein betreibt heute die Schaumühle. Dies geschehe "nicht nur als Reminiszenz an frühere und heute längst vergessene Formen der Nutzung regenerativer Energien", erklärt Hampel. So finden sich etliche Schautafeln und Demonstrationsobjekte über Windkraft, Solar- und Photovoltaik-Nutzung. "Und wenige hundert Meter von der Mühle entfernt erzeugt auf dem Gelände einer ehemaligen Mülldeponie unsere Voltaik-Anlage Strom", fügt Hampel hinzu.

Mit dieser Anlage gelangte Geesow sogar auf Platz eins der Solar-Bundesliga. Kriterium war die Menge an erzeugter Energie pro Kopf der Bevölkerung in dem kleinen Ort nahe der polnischen Grenze. Für Hampel war das nur ein Achtungserfolg, denn seine Visionen greifen weiter. Der Mann, der in der Uckermark ein Netzwerk für die regenerative Energienutzung aufgebaut hat, will die flächendeckende Erzeugung von Energie in den Landwirtschaftsbetrieben der Region etablieren. Hampel setzt dabei auf den Energiemix von Wind, Solar und Biogas. Spätestens mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz und den damit verbundenen Vergütungsgarantien sei die Grundlage für ein weiteres wirtschaftliches Standbein für die Landwirte geschaffen, ist er überzeugt. "Mit der Herstellung von Energie lässt sich ein hohes Maß an Wertschöpfung in die ländliche Fläche des Landes zurückführen", meint Hampel.

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