Ölpreis unter 100 Dollar

OPEC senkt überraschend Förderquote (Upd.)

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) hat überraschend eine Reduzierung ihrer Ölförderung beschlossen und reagiert damit auf den deutlich gefallenen Ölpreis. Außerdem geht die OPEC davon aus, dass der Ölpreis noch weiter fallen wird.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Wien (ddp/AFP/sm) - Die reale Förderung werde um 520 000 Barrel (159 Liter) pro Tag gesenkt, erklärte der Präsident des Erdölkartells, Chakib Khelil, im Anschluss an das OPEC-Treffen am Dienstagabend in Wien. Beobachter hatten hingegen erwartet, dass die OPEC ihre Fördermenge unverändert lässt. Zuvor war der Ölpreis für ein Barrel der Sorte Brent Crude Oil bis auf 98,89 Dollar pro Barrel und damit erstmals seit langem unter 100 Dollar gefallen. Am Mittwochmorgen zog der Preis allerdings wieder an.

Damit beträgt die OPEC-Förderquote nun 28,8 Millionen Barrel pro Tag nach zuvor 29,67 Millionen Barrel pro Tag. Die bisherige Obergrenze wurde wegen der Quotenüberschreitung einiger Länder, darunter Saudi-Arabien, allerdings nicht eingehalten. Beobachter schätzen die Überproduktion auf rund 600 000 Barrel pro Tag. Die OPEC deckt rund 40 Prozent der globalen Ölnachfrage. Der OPEC-Präsident zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass die Ölpreise trotz der Produktionskürzung weiter fallen werden. "Ich denke nicht, dass es Auswirkungen für die Konsumenten haben wird", sagte Khelil und verwies auf das hohe Angebot an Rohöl sowie die sehr hohen Lagerbestände.

In London war der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent zuvor zeitweise auf 99,04 Dollar gesunken. Zuletzt hatte der Preis am 2. April im zweistelligen Bereich gelegen. Am Mittwoch stiegen die Preise in Asien allerdings wieder auf bis zu 105 Dollar pro Barrel für die in New York gehandelte Sorte Light Sweet Crude und auf rund 101 Dollar für Brent.

Nach neuen Schätzungen der IEA wird der Ölverbrauch der OECD-Staaten 2008 voraussichtlich um 1,6 Prozent niedriger ausfallen als im Vorjahr. Für 2009 werde ein Rückgang um noch einmal 1,1 Prozent erwartet, teilte die IEA am Mittwoch in Paris mit. Insgesamt werde die Nachfrage nach Öl allerdings weiter steigen, wenn auch nicht so stark wie bislang geschätzt: Weltweit wird der IEA-Prognose zufolge in diesem Jahr 0,8 Prozent mehr Öl verbraucht werden als 2007. 2009 werde die Nachfrage um weitere 1,0 Prozent steigen, vor allem wegen zusätzlicher Nachfrage aus China und Indien.

Russland kündigte an, das Land wolle seine Zusammenarbeit mit der OPEC ausbauen. Dies sei für Russland ein vorrangiges Ziel, sagte Vizeministerpräsident Igor Setschin am Dienstagabend in Wien. Er hatte der OPEC den Entwurf für eine Vereinbarung überreicht. Russland ist nach Saudi-Arabien zweitgrößtes Ölförderland weltweit. In westlichen Staaten war das Bemühen Russland um eine Annäherung an die OPEC mit Sorge aufgenommen worden, da dies die Marktmacht des Kartells beträchtlich erhöhen könnte.

Unterdessen senkte die Internationale Energieagentur (IEA) ihre Prognose für die weltweite Ölnachfrage erneut. Die wirtschaftliche Abkühlung und das hohe Ölpreisniveau in den vergangenen Monaten hätten sich stärker auf die Nachfrage ausgewirkt als erwartet, hieß es. Die Prognose für die weltweite Nachfrage 2008 werde gegenüber dem vorigen Monatsbericht um 0,1 Millionen auf 86,8 Millionen Barrel pro Tag und jene für 2009 um 0,14 Millionen auf 87,6 Millionen Barrel pro Tag gesenkt. Vor allem in den USA sei die Nachfrage unerwartet deutlich zurückgegangen. Zudem sei ein dauerhafter Rückgang des Energieverbrauchs in den USA möglich, da die hohen Preise sowie die schleppende Wirtschaftsaktivität zu verstärkten Strukturanpassungen führen könnten.

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