Preisfall stoppen

OPEC kürzt Fördermenge um 1,5 Millionen Barrel pro Tag (Upd.)

Im Kampf gegen den rasanten Preisverfall bei Erdöl kürzt die OPEC ihre Fördermenge. Ab dem 1. November werde die Organisation Erdöl exportierender Länder täglich 1,5 Millionen Barrel weniger fördern, teilte der saudiarabische Ölminister Ali el Nuaimi am Freitag nach einer Sondersitzung der OPEC-Minister in Wien mit.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Wien (AFP/ddp/sm) - Durch die Kürzung sinkt die tägliche Fördermenge um insgesamt rund 239 Millionen Liter. Das Ölförderkartell will damit den anhaltenden Preisrutsch für Erdöl abbremsen. Der Ölpreis war nach seinem Allzeithoch von 147 Dollar pro Barrel im Juli in den vergangenen Wochen um mehr als die Hälfte gefallen. Grund ist die geringe Nachfrage.

Wegen der weltweiten Rezessionsbefürchtungen ist der Ölpreis in den vergangenen Tagen und Wochen stark unter Druck geraten. Nach einem Rekordhoch von 147 Dollar im Juli ist der Preis auf unter 65 Dollar eingebrochen. Beobachter äußerten sich hingegen skeptisch, dass die beschlossene Förderkürzung den Preisrückgang aufhalte.

Die Mitglieder der OPEC waren sich bereits vor ihrem Sondertreffen darüber einig, die Fördermenge zu senken. Allerdings gab es innerhalb der Organisation unterschiedliche Ansichten über den Umfang der Kürzung. Der Iran als zweitgrößter Öl-Exporteur unter den zwölf Mitgliedern und Libyen verlangten vor dem Treffen eine Drosselung um bis zu zwei Millionen Barrel pro Tag. Venezuela machte sich hingegen für eine moderatere Senkung von mindestens einer Million Barrel stark. Die nun vereinbarte Kürzung der Fördermenge um 1,5 Millionen Barrel Öl soll nach Angaben von el Nuaimi unter den OPEC-Ländern proportional anhand ihrer Produktionsmenge aufgeteilt werden.

Die Drosselung der Ölförderung werde keinen Einfluss auf die Inflation oder das wirtschaftliche Wachstum haben, sagte OPEC-Präsident Schabib Chelil, der zugleich Energieminister Algeriens ist, nach der Entscheidung vor Journalisten. Der britische Premierminister Gordon Brown kritisierte die Entscheidung. Brown sei "enttäuscht", erklärte sein Sprecher. Die OPEC müsse die weltweiten Auswirkungen ihrer Entscheidung überdenken. Angesichts der internationalen Finanzkrise dürften Bemühungen zur Stabilisierung der Lage nicht unterlaufen werden, sagte der Sprecher. Der britische Premier hatte das Öl-Kartell zuvor ausdrücklich davor gewarnt, die Fördermenge in der Absicht zu senken, den Ölpreis in die Höhe treiben zu wollen.

Ölpreis trotzdem weiter gesunken

Nach Ansicht der Commerzbank-Volkswirte hätte die Drosselung schon deutlich stärker ausfallen müssen, "um den Preis zu stabilisieren, und zudem eine weitere Reduktion in Aussicht gestellt werden müssen". Der Ölpreis setzte am Freitag auch nach dem Kürzungsbeschluss seinen Abwärtstrend fort und fiel in New York zeitweise auf 62,65 Dollar. "Die starken Kurseinbrüche an den weltweiten Aktienmärkten und der stärkere Dollar werfen alle Fundamentaldaten des Ölmarktes einfach über den Haufen", sagte Mike Wittner, Leiter des Ölresearchteams bei Societe Generale in London.

Glos appelliert an Vernunft der OPEC-Staaten

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat die Erdöl produzierenden Länder zu einer verantwortungsvollen Ölförder- und Preispolitik aufgefordert. "Ich appelliere an die Verantwortung und Vernunft der Öl produzierenden Länder, die Weltwirtschaft nicht mit einer preistreibenden Politik zusätzlich zu belasten", erklärte er. Er hoffe, dass der im Juni auf Initiative des saudischen Königs in Dschidda begonnene Dialog zwischen den produzierenden und verbrauchenden Ländern im Dezember in London mit Erfolg fortgesetzt werden könne.

Dem Öl-Kartell gehören Algerien, Angola, Ecuador, der Iran, Katar, Kuwait, Libyen, Nigeria, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Venezuela an - ebenso wie der Irak, für den es aber wegen des anhaltenden Konflikts im Land keine Förderquote gibt.

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