Betrug?!

Ominöse Rechnungen per Mail: Ehemalige TIC-Kunden werden zu Zahlungen aufgefordert

Viele ehemalige TIC-Kunden haben in den vergangenen Tagen E-Mail-Post von einer Firma namens AITF bekommen. Darin werden sie aufgefordert, umgehend den ausstehenden Betrag zu zahlen. Ist es Betrug?

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Etwa 3300 Kunden des mittlerweile insolventen Stromlieferanten TIC haben in den vergangenen Tagen E-Mail-Post von einem Absender namens "America International Trust Fund INC." (AITF) bekommen. Darin zeigt die AITF aus Bad Wünnenberg ihre Legitimation als Abwickler der Firmen TIC Admin und TIC GmbH an und fordert den Empfänger auf, einen Rechnungsbetrag von 457,86 DM bis spätestens 11. September zu begleichen. Enthalten in dieser Summe ist die Lieferung von 856 Kilowattstunden Strom, die EEG- und KWK-Gebühr, Fremdkosten, Mahngebühren, Verzugskosten, Bearbeitungskosten, Zinsen und Schreibauslagen.

Viele Kunden sind nun verunsichert und vermuten Betrug, vor allem weil sie von einer AITF noch nie etwas gehört haben. Wie das strom magazin herausfand, ist AITF das neue Unternehmen von Dieter Singer, ehemals Geschäftsführer von TIC. Damit klärt sich auch, wie das Unternehmen an die Kundendaten gekommen ist. Wie Dieter Singer dem strom magazin in einem Telefongespräch erklärte, wurden die Mails an die 3300 TIC-Kunden verschickt, die definitiv von August 2000 bis Februar 2001 Strom von TIC bekommen haben. Dabei wurde ein Durchschnittsverbrauch zu Grunde gelegt. Die meisten dieser Kunden hätten die Abschlagszahlungen zurück gehen lassen, d.h. wenn sie tatsächlich Strom von TIC bekommen haben, dann wurde dieser bisher nicht bezahlt. Für viele ist dabei jedoch nicht klar, ob überhaupt Strom von TIC geflossen ist, weil die Aussagen von neuem und altem Lieferanten widersprüchlich sind. Ein klares Indiz für eine Stromlieferung von TIC könnte ein Schreiben des Regionalversorgers vom März 2001 sein, in dem er die Notstromlieferung ankündigt oder Netznutzungsgebühren fordert. Beides bedingt eine Stromlieferung durch einen anderen Anbieter in den Monaten davor.

Auch wenn die E-Mail-Rechnungen in dieser Form recht ominös sind – wenn TIC Strom geliefert hat, muss dieser auch bezahlt werden. Wahrscheinlich wird es schwierig werden, den genauen ausstehenden Betrag festzustellen. Nicht nur, dass kaum ein Regionalversorger den genauen Termin der Umstellung bekannt gegeben hat, mittlerweile hat die Zollfahndung die TIC- und Zweitausend Stromvertrieb-Akten beschlagnahmt, weil die Zahlung der Ökosteuer ausgeblieben ist. Auch das ist ein Indiz dafür, dass Strom geflossen ist, denn ansonsten würde keine Ökosteuer fällig werden. Aus diesem Grund hat AITF einen Durchschnittswert zu Grunde gelegt, der in den meisten Fällen niedriger als der tatsächliche Verbrauch ist, versicherte Dieter Singer gegenüber dem strom magazin. Wie es sich mit den zusätzlichen Gebühren wie Verzugskosten, Fremdkosten oder Schreibauslagen verhält bleibt weiterhin unklar. Singer zeigte sich überzeugt davon, dass diese der Kunde zu tragen hätte.

Ungewiss ist auch, was passiert, wenn die Kunden nicht – oder nur für ihren tatsächlichen Verbrauch zahlen. Singer kündigte gegenüber dem strom magazin an, dann umgehend ein Paderborner Inkassobüro einzuschalten, das die ausstehenden Beträge eintreibt. In diesem Fall sollten sich die betroffenen Kunden von ihrem Rechtsanwalt oder einer Verbraucherzentrale in der Nähe rechtlich beraten lassen.

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