Atommüll

Oettinger setzt Endlagerfrage auf die Agenda

Im Streit um die Atomkraft hat EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) die Schaffung von Endlagern für hochradioaktiven Müll in Europa gefordert. Dafür müssten aber einheitliche Standards gelten. Ein Export deutschen Atommülls könne nicht in Frage kommen.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Hamburg (afp/ddp/red) - Oettinger bemängelte am Samstag, dass auch die Erkundung von Gorleben nicht vorankomme. Die Grünen kritisierten angesichts der ungeklärten Entsorgungsfrage die Aussage von Umweltminister Norbert Röttgen (CDU), die deutschen AKW bis 2030 weiterlaufen zu lassen.

"Die Mitgliedstaaten müssen sich dringend um die Frage der Endlagerung kümmern", sagte Oettinger dem "Hamburger Abendblatt" vom Samstag. In Europa gebe es "längst nicht die Kapazität für die Endlagerung, die notwendig" sei. Die vergangenen Jahrzehnte seien nicht ausreichend genutzt worden, kritisierte er mit Blick auf Gorleben. Bisher gibt es zahlreiche Zwischenlager, aber kein genehmigtes Endlager für hoch radioaktive Abfälle.

Kein Land, das Atomkraft nutze, könne sich der Aufgabe der Endlagerung entziehen, sagte der Politiker. Oettinger wandte sich damit gegen Spekulationen, Deutschland könnte seinen Atommüll künftig im Ausland entsorgen. In diesem Zusammenhang bekräftigte Oettinger auch die Aussage des Koalitionsvertrages zwischen Union und FDP, dass das Zwischenlager Gorleben weiter untersucht werden soll.

Oettinger kündigte eine EU-Verordnung zur Entsorgung von Atommüll an, die in diesem Jahr fertiggestellt werden soll. Zur Zukunft der Atomkraft in der EU sagte er, diese hänge von den 27 Mitgliedstaaten ab. Ein Ende sei "nicht in Sicht". So habe Schweden den Atomausstieg rückgängig gemacht und die osteuropäischen Staaten wollten die Kernenergie "auf lange Sicht in ihrem Energiemix" haben.

Frankreich, Schweden und Finnland wollen nach Angaben von Experten in den kommenden 15 Jahren damit beginnen, ihren Atommüll unterirdisch zu lagern. Die finnische Regierung wolle ein tief unter der Erde gelegenes Endlager 2020 in Betrieb nehmen, sagten europäische Experten bei einer Konferenz in Kalifornien. Schweden habe ähnliche Pläne für einen Zeitraum drei Jahre später. Frankreich will demnach bis 2013 über einen Standort für ein unterirdisches Endlager entscheiden, das ab 2025 zur Verfügung stehen soll. In Frankreich wie in Deutschland, Großbritannien, Russland oder Japan gibt es derzeit nur Zwischenlager für hoch radioaktive Abfälle, aber keine Endlager.

Quelle: AFP

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