Reaktionen

Österreich verlangt weiter Abschaltung von Isar I

Die beschlossene Laufzeitverlängerung für die deutschen Atomkraftwerke hat Unmut im Nachbarland Österreich ausgelöst. Der Weiterbetrieb des rund 100 Kilometer von der Grenze entfernten Meilers Isar 1 in Essenbach bei Landshut um acht Jahre sei "nicht verantwortbar".

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Linz (dapd/red) - Das sagte der oberösterreichische Landesrat Rudi Anschober am Dienstag im Linz. Auch die Grünen-Landtagsfraktion und die Landshuter CSU-Stadtratsfraktion fordern weiter eine rasche Abschaltung des Altreaktors.

Anschober sagte, zahlreiche Gutachten belegten, dass "absolute Sicherheitsrisiken" vorhanden seien. Eine Laufzeitverlängerung sei ohnehin nur unter strengsten Auflagen möglich. Er setze nun auf die Vernunft und Dialogbereitschaft der deutschen Bundes- und der bayerischen Staatsregierung. Zudem kündigte er ein neues Gutachten und eine Fortsetzung des Widerstands an: "Wir sind dabei, eine breite Allianz zu schließen." Der Landesrat verwies darauf, dass sich auch die österreichische Bundesregierung in einer aktuellen Stellungnahme für eine baldige Stilllegung von Isar I ausgesprochen habe.

Die schwarz-gelbe Bundesregierung einigte sich am Wochenende auf eine Laufzeitverlängerung der deutschen Kernkraftwerke um durchschnittlich zwölf Jahre. Jüngere Meiler bleiben 14 Jahre länger am Netz, ältere 8 Jahre. Der 1977 in Betrieb genommene Reaktor Isar I würde demnach erst 2019 statt wie ursprünglich geplant 2011 abgeschaltet werden. Anschober sprach von einer "Entscheidung für die Gewinninteressen der Atomlobby und gegen Sicherheitsaspekte".

Österreichs Umweltminister Niki Berlakovich (ÖVP) hatte bereits zuvor von einem "schweren Rückschlag für erneuerbare Energien" gesprochen. Atomkraft sei keine Antwort auf den Klimawandel und keine nachhaltige Form, um den CO2-Ausstoß zu verringern.

Die CSU-Fraktionsvorsitzende im Landshuter Stadtrat, Gabriele Goderbauer-Marchner, zeigte sich mit Blick auf Isar I "enttäuscht" über die Pläne der Bundesregierung. Eine Laufzeitverlängerung von acht Jahren empfinde sie als "überraschend lange". Aus ihrer Sicht wäre es notwendig gewesen, innerhalb der Gruppe der älteren Reaktoren zu differenzieren.

Die Baureihe, zu der Isar I gehöre, sei besonders veraltet, betonte Goderbauer-Marchner und fügte hinzu: "Niemand würde heute noch so einen Reaktor mitten in die Landschaft stellen." Das 1979 in Betrieb gegangene Kraftwerk sei nur mangelhaft gegen Flugzeugabstürze oder Terrorangriffe geschützt. Den Angaben nach will nun die Landshuter CSU darüber beraten, ob sie erneut eine Resolution vorlegen sollte, in der die baldige Stilllegung von Isar I gefordert wird.

Aus Sicht von Grünen-Landtagsfraktionschef Thomas Mütze spielt die Regierung "aufs übelste" mit der Sicherheit der Bevölkerung. "Es ist doch grotesk, wenn die Bundesregierung Isar 1 zwar bescheinigt, ein potenzielles Ziel für Terroranschläge zu sein, diese Zielscheibe aber weiterhin ohne Schutz für die Bevölkerung laufen lassen will", sagte der Grünen-Politiker. Er wertete die Laufzeitverlängerung als Schlag ins Gesicht für die Anwohner.

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