Nachbesserungen gefordert

Öko-Institut: Stromkennzeichnung ist zu wenig transparent

Ab morgen müssen die deutschen Stromversorger ihren Energiemix kennzeichnen und auf Rechnungen sowie in Werbematerialien über die Herkunft des gelieferten Stroms informieren. Doch sind die Informationen wirklich aussagekräftig? Das Freiburger Öko-Institut hat daran erhebliche Zweifel.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Freiburg (red) - Atom, Gas, Kohle, erneuerbare Energien - aus welchen Quellen stammt der Strom, mit dem wir beliefert werden? Und welche Umweltbelastungen sind damit verbunden? Darüber wird die nächste Stromrechnung jetzt informieren, denn ab morgen müssen die deutschen Stromversorger ihren Energiemix kennzeichnen und auf Rechnungen sowie in Werbematerialien über die Herkunft des gelieferten Stroms informieren.

Das Freiburger Öko-Institut findet diese Regelung "im Grundsatz gut" - sie werde aber in der Praxis nicht funktionieren. Kritik übt Energieexperte Christof Timpe dabei vor allem an dem so genannten Leitfaden zur Stromkennzeichnung, den der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) entwickelt hat. Falls die Versorger diesen Vorschläge der Stromwirtschaft folgen, werden die Anteile der verschiedenen Energieträger systematisch falsch berechnet. Die Folge: Die Bilanz für erneuerbare Energien falle zu positiv aus, Anteile aus Atom- und Kohlekraftwerken fielen unter den Tisch. "So wird der umweltbewusste Verbraucher in die Irre geführt", warnt der Wissenschaftler.

Der Grund für die falschen Berechnungen des Energiemixes liege darin, dass die Stromwirtschaft zwei Bilanzierungsverfahren kombinieren will. Um zu berechnen, wie viel Prozent die verschiedenen Energiequellen am Gesamtmix ausmachen, können Stromversorger Daten aus zwei verschiedenen Quellen nutzen. Entweder lassen sie sich direkt von ihren Lieferanten bescheinigen, aus welchen Kraftwerken der Strom stammt und wie viel Strom diese jeweils liefern. Oder aber sie verwenden statistische Durchschnittswerte der gesamten Stromerzeugung, zum Beispiel für an der Strombörse EEX gehandelten Strom. Nutzen die Stromversorger Daten aus beiden Quellen, müsse die Rechnung korrigiert werden, damit die Bilanz am Ende stimmt, erläuterte Timpe. "Die Stromwirtschaft muss hier unbedingt nachbessern, möglicherweise muss sogar das Energiewirtschaftsgesetz geändert werden."

Weitere Kritik: Nirgendwo sei verbindlich festgelegt, wie die Stromversorger die Daten zur Stromherkunft und deren Umweltbelastungen eigentlich darstellen sollen. Von Grafiken über Diagramme bis hin zum einfachen Fließtext - gehe es nach den Empfehlungen der Stromwirtschaft, sei fast jede Darstellung möglich, bemängelt das Öko-Institut. Ein Vergleich zwischen unterschiedlichen Stromanbietern werde dadurch schwer: "Ein Versorger, der aus Sicht seiner Kunden ungünstige Informationen offen legen muss, darf diese im Kleingedruckten der Stromrechnung verstecken", kritisiert Timpe. Seiner Meinung nach sollten die Daten stattdessen kundenfreundlich in einem einheitlichen und leicht verständlichen Format präsentiert werden.

Umweltbewussten Stromkunden, die auf Nummer sicher gehen wollen, empfiehlt das Öko-Institut Stromangebote, die mit dem Gütesiegel "ok-power" oder dem "Grüner Strom Label in Gold" ausgezeichnet sind.

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