Jahrestagung

Öko-Institut lehnt Comeback der Atomkraft ab

Die Experten des Freiburger Öko-Instituts halten nichts von einer Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken. Ihrer Meinung nach eignen sich Atomreaktoren nicht als globale Klimaschützer. Stattdessen brauche Deutschland eine langfristige Klimaschutzstrategie um den Emissionsausstoß zu verringern.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Freiburg (red) - Während Teile der Stromwirtschaft und der Politik von Laufzeitverlängerungen der Reaktoren sowie einem Ausstieg aus dem Atomausstieg sprechen, hält das Öko-Institut diese Ideen für den falschen Weg. Kürzlich diskutierten Wissenschaftler aus den drei Instituts-Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin mit Referenten und knapp 150 Teilnehmern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft über die "Energiepolitik der Zukunft - und das nukleare Erbe".

Das Argument, der Klimaschutz sei nur durch Kernenergie zu erreichen, lehnten die Öko-Instituts-Wissenschaftler ab. "Kernkraftwerke eignen sich nicht als globale Klimaschützer. Eine solche Strategie käme dem Motto gleich, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben", sagte Veit Bürger, Energieexperte am Öko-Institut. Stattdessen setze das Institut auf eine Energiepolitik, die aus der Kernenergie aussteigt und zudem mittel- bis langfristig auf die fossilen Brennstoffe verzichtet.

Unterstützung gebe es auch von der Bevölkerung, die in der Entsorgung und insbesondere in der Endlagerung der radioaktiven Abfälle das vordringlichste Problem der Kerntechnik sehe. "Die viel größeren Risiken liegen aber im Betrieb der Anlagen", stellte Michael Sailer, stellvertretender Geschäftsführer und langjähriger Nuklearexperte am Öko-Institut fest. Daran würden auch neue Reaktorkonzepte wie der so genannte EPR (European Pressurized Water Reactor) nichts ändern, denn diese sind nach Einschätzung des Öko-Instituts genauso wenig kernschmelzsicher wie bisherige Reaktoren. Ein weiterer Risikofaktor sei das zunehmende Alter der Anlagen, das es schwer mache, diese auf dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik zu halten.

Das Institut sprach sich stattdessen für eine nachhaltige Energie- und Klimaschutzpolitik aus. "Um die globale Erwärmung auf einen Wert unter zwei Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Zeiten zu begrenzen, müssen die Treibhausgasemissionen bis 2050 weltweit um etwa die Hälfte zurückgehen", erläuterte Veit Bürger. Da insbesondere die Entwicklungsländer zunächst steigende Emissionen aufweisen werden, müssten die Industrienationen ihren Ausstoß in den nächsten 50 Jahren um knapp 80 Prozent vermindern.

Zu einer langfristigen Klimaschutzstrategie gehören laut Öko-Institut: (1) eine Fortschreibung des Emissionshandels derart, dass die richtigen ökonomischen Signale für zukünftige Investitionen im Kraftwerkspark gesetzt werden, (2) eine Strategie zur Erhöhung der Energieeffizienz, insbesondere verstärkte Anstrengungen zur Erschließung der Energie-Einsparpotenziale im Gebäudebestand, (3) der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energiequellen auch im Bereich der Wärmeerzeugung und (4) die Eindämmung der Treibhausgasemissionen im Verkehrsbereich.

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