Über den Tellerrand

Öko-Institut in Darmstadt: Wie geeignet ist Region Benken für Atommüll-Lager?

Im Auftrag der Bürgerinitiative "Bewegung gegen eine Atommülldeponie in Benken" (BEDENKEN) und der "Interessengemeinschaft Energie und Lebensraum" (IGEL) hat sich das Öko-Institut e.V. den derzeitigen Stand der schweizerischen Suche nach einem atomaren Endlager angesehen. Nach den Vorstellungen der NAGRA soll es ein Endlager im Zürcher Weinland in der Region Benken geben.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Wie geeignet ist die Region Benken im Zürcher Weinland für ein Atommüll-Lager? Mit dieser Frage beschäftigte sich das Öko-Institut e.V. in Darmstadt und legte jetzt das Ergebnis einer umfangreichen Untersuchung vor. "Derzeit kann eine definitive Aussage über die Eignung des Standortes nicht getroffen werden", fasst Ingenieur Gerhard Schmidt aus dem Bereich "Nukleartechnik & Anlagensicherheit" im Öko-Institut die Erkenntnisse zusammen. Der Wissenschaftler und Autor der 150-seitigen Studie weist darauf hin, dass vorher erst eine Reihe von weiteren Untersuchungen vorgenommen werden müsse. Zudem sei es erforderlich, noch offene Fragen zu klären.

Im Auftrag der Bürgerinitiative "Bewegung gegen eine Atommülldeponie in Benken" (BEDENKEN) und der "Interessengemeinschaft Energie und Lebensraum" (IGEL) hatte sich das Öko-Institut e.V. den derzeitigen Stand der schweizerischen Suche nach einem atomaren Endlager angesehen. Die schweizerische "Nationale Genossenschaft für die Endlagerung radioaktiver Abfälle" (NAGRA) untersucht, wie geeignet ein Endlagerstandort im Norden der Schweiz ist. Nach den Vorstellungen der NAGRA soll das Endlager im Zürcher Weinland in der Region Benken die radioaktiven Abfälle aus den derzeit fünf Schweizer Kernkraftwerken aufnehmen und die radioaktiven Stoffe für Millionen Jahre einschließen.

In der Studie des Öko-Instituts gibt es verschiedene Bedenken: (1) Es sei nicht ausreichend geklärt, ob die Kontinentalplattenbewegungen, die zur Bildung der Alpen geführt haben, abgeschlossen oder weiter wirksam sind. Davon hänge es ab, ob die gefährlichen Abfälle im Endlager für Jahrmillionen eingeschlossen bleiben oder durch Hebung und Erosion freigelegt werden könnten. (2) Unklar sei beim derzeitigen Kenntnisstand ferner, ob der Opalinuston als Wirtsgestein im Raum Benken überhaupt eine ausreichende Ausdehnung besitzt. Dazu müssen ausreichende Sicherheitsabstände zu Schichten und Strukturen mit erhöhter Durchlässigkeit eingehalten werden, um die Schadstoffe genügend lange zu isolieren. Die Ergebnisse der bisherigen Erkundung schließen nicht aus, dass bei näherer Untersuchung zu den bereits bekannten Störungen noch weitere hinzukommen und der verfügbare Endlagerraum und die isolierenden Schutzschichten letztendlich nicht für ein Endlager ausreichen. (3) Die Bohruntersuchung nahe Benken und deren Auswertung durch die NAGRA hätte eine Reihe von weiteren Fragen offen gelegt, die Zweifel an der Dichtheit des ausgesuchten Wirtsgesteins Opalinuston aufwerfen. Die Forscher empfehlen dringend, diesen grundsätzlichen Fragen nachzugehen. (4) Als ungenügend kritisiert die Studie, dass im Vorfeld keine nachvollziehbaren Eignungskriterien für den Standort festgelegt worden sind. Dadurch bliebe ein beliebig großer Interpretationsspielraum bei der Feststellung der Eignung und bei der Festlegung des Standorts, der bei der Fachwelt, von betroffenen Gemeinden und der Bevölkerung als willkürlich empfunden werden könne. (5) Die Standortsuche in der Schweiz sei nicht in ein Programm eingebettet, das auch sozioökonomische Faktoren und die Mitwirkung der betroffenen Kommunen einbeziehe. Das Verfahren sehe weder eine sachkompetente Begleitung seitens der Kommunen noch die systematische Einbeziehung der Kommunen in den Untersuchungsprozess vor, moniert das Öko-Institut.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Energieversorung

    Deutsche Forscher sollen mögliche Schweizer Atommüll-Standorte prüfen

    Zur Überprüfung der möglichen grenznahen Atommüll-Endlagerstandorte in der Schweiz will die deutsche Begleitkommission Wissenschaftler aus dem eigenen Land einschalten. Voraussichtlich im Januar solle der Auftrag an ein interdisziplinäres Team von Forschern ergehen, sagte Lüder Rosenhagen von der Umweltschutzorganisation BUND.

  • Strompreise

    Öko-Institut lehnt Comeback der Atomkraft ab

    Die Experten des Freiburger Öko-Instituts halten nichts von einer Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken. Ihrer Meinung nach eignen sich Atomreaktoren nicht als globale Klimaschützer. Stattdessen brauche Deutschland eine langfristige Klimaschutzstrategie um den Emissionsausstoß zu verringern.

  • Stromtarife

    Anhörung: "Terroranschläge haben Restrisiko von Atomkraftwerken verändert

    Gestern fand im Umweltausschuss des Bundestags eine Anhörung zum Thema Atomausstieg und Gefahren durch einen terroristischen Angriff statt. Die Experten waren sich darin einig, dass sich die Grenze des sogenannten "hinnehmbaren Restrisikos" verschoben hat.

Top