Öffentliche Anhörung zur Kernfusion: Problemlöser oder Geldfresser?

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com
Heute fand in Berlin eine öffentliche Anhörung zur Kernfusionsforschung in Forschungsausschuss des Deutschen Bundestags statt. Die Vorsitzende des Ausschusses Ulrike Flach dazu: "Die Entwicklung der Kernfusionstechnik könnte in der Zukunft einen wichtigen Beitrag für die weltweite Energieversorgung leisten. Auch wenn innerhalb der nächsten zwanzig Jahre noch keine wirtschaftliche und flächendeckende Anwendung zu erwarten ist, so brauchen wir angesichts von Klimaveränderungen, endlichen fossilen Ressourcen und wachsendem Energiebedarf Alternativen. Die rot-grüne Ausstiegspolitik aus der Kernspaltung erfordert in Zukunft einen neuen Energiemix. Mit Sonne- und Windkraft ist die Versorgung nach Meinung aller Experten nicht sicherzustellen. Jetzt die Kernfusionsforschung vorantreiben, heißt eine neue Option für die zukünftige Energieversorgung zu schaffen.


Kernfusionsanlagen scheinen für die Absicherung der Grundlast vor allem in städtischen Ballungsgebieten geeignet. Sie setzen keine klimaschädlichen Gase frei, erfordern im Betrieb keine Transporte großer Gütermengen und es entstehen nur geringe Mengen langlebiger radioaktiver Abfälle. Die überwiegende Menge der radioaktiven Abfälle (Tritium) würde nach wenigen Jahrzehnten ihre Gefährlichkeit verlieren. Zudem kann es bei Kernfusionsanlagen nicht zu unkontrollierten Atombränden kommen. Um die Kernfusionstechnik langfristig zu entwickeln, sind aber bereits heute wichtige Entscheidungen nötig. Ein klares Bekenntnis der Bundesregierung zum Versuchsreaktor ITER-FEAT und eine Unterstützung der französischen Bewerbung um den Standort des ITER sind überfällig. Andere Länder wie Japan, Kanada und die USA wetteifern mit Europa, das noch die technologische Führerschaft in der Kernfusionsforschung besitzt. Auch China, Korea oder Indien holen auf. Der Verzicht auf das Großexperiment ITER hätte schwerwiegende Folgen für die Entwicklung der Fusionsforschung in Europa. Der wissenschaftliche Nachwuchs würde ins Ausland abwandern. Auch die Grundlagenforschung könnte Schaden erleiden."


Der forschungspolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Hans-Josef Fell sieht das anders: "Europa sollte dem Beispiel der USA folgen und aus dem Fusionsforschungsprojekt ITER aussteigen. Diese Schlussfolgerung ziehen wir aus der heutigen Anhörung im Forschungsausschuss. Die Kernfusion ist der falsche Weg. Sie ist riskant, teuer und überflüssig.


Die Kernfusion funktioniert wie die Wasserstoffbombe: Bei mehreren Millionen Grad werden Atomkerne unter extrem hohem Druck verschmolzen. Dabei werden hochradioaktive Neutronen freigesetzt, die nur schwer kontrolliert werden können. Es gibt darüber hinaus zahlreiche andere ungelöste technische Fragen. Die Kernfusion ist überflüssig. Selbst ihre Befürworter sprechen von einem Forschungs- und Entwicklungsbedarf von weiteren 50 Jahren. Unsere Energieprobleme müssen aber heute angegangen werden. Den Schlüssel für ihre Lösung halten wir in den Händen: Es sind die Erneuerbaren Energien. Bis 2050 - das hat eine von der Europäischen Union finanzierte Studie gezeigt - können sie unseren Energiebedarf vollständig decken. Die Kernfusionsforschung verschlingt Milliardensummen. Der von der Fusionslobby geforderte neue Kernfusionsforschungsreaktor ITER würde alleine im Bau mindestens acht Milliarden DM kosten und im Betrieb jedes Jahr weitere 500 Millionen DM vernichten. Diese Mittel würden für die Erforschung Erneuerbarer Energien fehlen. Außerdem ist die durch Kernfusion gewonnene Energie zu teuer. Die Stromerzeugungskosten für Erneuerbare Energien werden zu dem Zeitpunkt, zu dem die Kernfusion einsetzbar wäre, weit unter deren Kosten liegen.

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