Umstritten

Obama gibt US-Küsten für Öl- und Gasbohrungen frei

Zur Enttäuschung vieler Umweltschützer hat US-Präsident Barack Obama bislang geschützte Abschnitte der US-Küste für neue Öl- und Gasbohrungen freigegeben. Das sei eine "harte Entscheidung" gewesen, räumte Obama ein, der offenbar ein ganz bestimmtes Ziel damit verfolgt.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Washington (afp/red) - Die Ausweitung der Förderung sei nötig, um den Energiebedarf der USA zu stillen, Arbeitsplätze zu sichern und das Wachstum der Konjunktur zu fördern, sagte Obama am Mittwoch auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews. Parallel werde er weiter den Ausbau alternativer Energien fördern.

Obama räumte ein, dass die Erteilung der Bohrgenehmigungen eine "harte Entscheidung" gewesen sei. Sein Ziel sei es dabei, "die Notwendigkeit zur Ausbeutung inländischer Energiequellen mit dem Naturschutz in Einklang zu bringen". Die neuen Erschließungen seien "Teil einer breiteren Strategie", welche die Abhängigkeit der USA von Ölimporten und fossilen Brennstoffen verringern soll. "Diese Umkehr kann nur gelingen, wenn sie unsere Wirtschaft stärkt", sagte Obama. "Diese Wahrheit zu ignorieren wäre ein Fehler."

Laut Obama sollen die mittleren und südlichen Abschnitte der US-Ostküste für Bohrungen im Atlantik freigegeben werden, ebenso die Südküste am Golf von Mexiko. Verschont bleiben soll die US-Westküste. Mit der Entscheidung von Obamas Regierung wird das jahrelange Moratorium, das für Öl- und Gasbohrungen vor der US-Ostküste galt, hinfällig.

Während Umweltschützer die Pläne ablehnen, könnte sich Obama mit dem Schachzug die Zustimmung oppositioneller Republikaner für Zugeständnisse bei der Klimagesetzgebung sichern. In seinem Wahlkampf 2008 hatte Obama deren Forderung nach einer Öffnung von tausenden Küsten-Kilometern noch zurückgewiesen. Die Debatte wird in den USA seit Jahren geführt. Obamas Vorgänger George W. Bush hatte für die Ausbeutung der Rohstoffvorkommen vor den US-Küsten plädiert.

Obama sagte zu, für die neuen Erschließungen umweltfreundliche Technologien einzusetzen und den Erfordernissen des Naturschutzes Rechnung zu tragen. Er wolle, dass die Frage der Bohrungen nach wissenschaftlichen Kriterien entschieden wird, nicht nach Weltauffassungen der Rechten und der Linken. Unter seiner Regierung sollten die USA weltweit führend bei der Herstellung sauberer Energien werden. Obama nannte ausdrücklich Deutschland als Beispiel für ein Land, welches das wirtschaftliche Potenzial neuer Energien erkannt habe und ausnutze.

Umweltschützer übten scharfe Kritik an Obama. Der Präsident der Umweltvereinigung Sierra Club, Michael Brune, zeigte sich "sehr enttäuscht" von der Entscheidung. "Wir stellen die letzten unserer geschützten und unberührten Küstenstreifen den Ölkonzernen zur Verfügung, damit diese weitere Rekordgewinne einfahren können", erklärte Brune.

In einer am Mittwoch vom Sender CNN veröffentlichten Umfrage gaben 51 Prozent der Befragten in den USA an, für sie hätten die Interessen der Wirtschaft Vorrang vor jenen des Umweltschutzes. Nur 45 Prozent sahen den Umweltschutz als vordringlich.

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