Grünes Licht

NRW genehmigt Ausbau von Urananreichungsanlage

Das Energieministerium in Nordrhein-Westfalen hat gestern die atomrechtliche Genehmigung für den Endausbau der Urananreicherungsanlage (UAA) im münsterländischen Gronau erteilt. Die Kapazität darf von 1800 auf nun auf 4500 Tonnen Urantrennarbeit (UTA) pro Jahr ausgebaut werden.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Gronau/Düsseldorf (ddp-nrw/sm) - Das nordrhein-westfälische Energieministerium hat gestern die atomrechtliche Genehmigung für den Endausbau der Urananreicherungsanlage (UAA) im münsterländischen Gronau erteilt. Der Betreiber der Anlage, die Urenco Deutschland GmbH, darf seine Kapazität damit nun auf 4500 Tonnen Urantrennarbeit (UTA) pro Jahr ausbauen, wie das Ministerium in Düsseldorf mitteilte. Derzeit ist die Anlage auf 1800 UTA pro Jahr zugelassen.

Für die Erweiterung der deutschlandweit einzigen Urananreicherungsanlage muss nach Angaben des Ministeriums eine zweite Uranisotopentrennanlage sowie ein Uranoxidlager für 50 000 Tonnen abgereichertes Uran errichtet werden. Das Uran wird für die Herstellung von Brennelementen in Atomkraftwerken hergestellt.

Nach Angaben eines Urenco-Sprechers soll sich der Ausbau bis ins "kommende Jahrzehnt" hinziehen. Dafür sollen etwa 700 bis 800 Millionen Euro in die Anlage investiert werden. Mit dem Uran können zwischen 30 und 35 Atomkraftwerke betrieben werden. Gegen den Ausbau der UAA hatten seit langem zahlreiche Anti-Atomkraft-Initiativen vor allem aus dem Münsterland demonstriert. Das Ministerium verwies darauf, dass die Genehmigung erteilt werden konnte, nachdem die Zuverlässigkeit und Fachkunde des Betreiberunternehmens geprüft worden sei. Mehrere Gutachter hätten die Vorsorge gegen Schäden durch Errichtung und Betrieb der Anlage untersucht. Zudem sei eine Umweltverträglichkeitsprüfung und eine Öffentlichkeitsbeteiligung durchgeführt worden, die sich wegen der Grenznähe auch auf die Niederlande erstreckt hätte. Die dabei erhobenen Einwände seien im weiteren Verfahren geprüft und berücksichtigt worden, hieß es.

Die nordrhein-westfälischen Grünen sowie Anti-Atomkraft-Initiativen kritisierten die Entscheidung des Ministeriums. Der Ausbau widerspreche dem Geist des Atomausstiegsgesetzes, erklärten die beiden Grünen-Landesvorsitzenden Britta Haßelmann und Frithjof Schmidt. Ein Ausbau der UAA werde eine "extreme Steigerung von Urantransporten zur Folge haben". Aus Sicht der Grünen sei der Betrieb der UAA und der Betrieb von Atomkraftwerken "nicht verantwortbar". Man werde sich deshalb weiterhin für die Stilllegung dieser Anlage einsetzen.

"Mit großem Entsetzen" reagierten die Atomkraftgegner aus dem Münsterland auf die Entscheidung aus Düsseldorf. Die NRW-Landesregierung habe "sich vom Atomausstieg in NRW verabschiedet", hieß es. Die Initiativen riefen deshalb zu öffentlichen Protesten gegen die "drastisch verschärfte Atompolitik in NRW" auf. Am kommenden Sonntag soll unter anderem vor dem Brennelemente-Zwischenlager in Ahaus protestiert werden.

Zudem forderten die Initiativen die NRW-Grünen auf, die Koalitionsfrage zu stellen und die SPD zu einer Umkehr in ihrer Atompolitik zu bewegen. Nur so könnten die Grünen ihre Glaubwürdigkeit in diesem zentralen Feld behalten.

Von Michael Bosse

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