Angekündigt

Notfallmaßnahmen gegen Wassereinbrücke in der Asse

Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) will das einsturzgefährdete Atommülllager Asse gegen massive Wassereinbrüche sichern. Die zum Teil schon eingeleiteten Maßnahmen sollten die Wahrscheinlichkeit verringern, dass es zu einem unkontrollierten Absaufen des Bergwerks komme, sagte BfS-Präsident Wolfram König.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Salzgitter (ddp/red) - Aus dem umgebenden Gebirge dringen seit Jahren täglich rund zwölf Kubikmeter Wasser in die Asse ein. Ob und um wie viel sich diese Menge in Zukunft erhöhe, lasse sich nicht verlässlich vorhersagen, erklärte König. Derzeit sei die Situation stabil. Vorsichtshalber müssten aber so starke Einbrüche angenommen werden, dass dadurch auch Grundwasser radioaktiv kontaminiert werden könne. Einen Lösungszutritt von bis zu 500 Kubikmetern pro Tag halte seine Behörde gerade noch für beherrschbar, sagte König.

Wasser auffangen und abtransportieren

Das Vorsorgekonzept beinhaltet König zufolge sowohl konkrete technische Vorkehrungen als auch Maßnahmen zur Sicherung der Anlage. Das Bundesamt wolle unter Tage zum Beispiel größere Speicherbecken anlegen und leistungsfähigere Pumpen installieren. So könnten größere Mengen Zutrittswasser aufgefangen und abtransportiert werden. Bereits begonnen habe die Verfüllung entstandener Spalten zwischen den Decken der Einlagerungskammern und dem dort eingebrachten Salz.

Als letzten Schritt des "gestuften Vorgehens" bezeichnete König die Minimierung der Freisetzung radioaktiver Stoffe, "«wenn alle anderen Maßnahmen nicht erfolgreich sind". In diesem Fall sei es wichtig, direkte Verbindungen zwischen den Kammern mit dem Atommüll und dem Deckgebirge zu kappen. Dazu würden unter anderem Resthohlräume in den Kammern verfüllt und Leitungen in bestimmte Kammern gelegt, um im Notfall Beton einpumpen zu können. "Wir brauchen die Rohre als Vorsorgemaßnahme", betonte König.

Akten zu Asse-Inventar unvollständig

Das BfS überprüft bereits die ihm vom früheren Betreiber Helmholtz Zentrum München überlassenen Inventarlisten. Die Akten seien aber unvollständig und nicht in dem Zustand, "wie es für ein Atommülllager zu erwarten wäre", sagte König. Nach offiziellen Angaben lagern in der Asse rund 126.000 Fässer mit schwach und mittelradioaktiven Abfällen. Aber auch Pflanzenschutzgifte und Tierkadaver wurden in das Bergwerk gebracht.

Anforderungen des Strahlenschutzes fortgesetzt

Nach den Worten seines Präsidenten hat das Bundesamt zudem wesentliche Änderungen im Betriebsablauf der Asse vorgenommen und damit grundlegende Anforderungen des Strahlenschutzes umgesetzt. Als Ergebnis von Sicherheitsüberprüfungen seien unter anderem Strahlenschutzanweisungen erstellt und möglicherweise radioaktiv kontaminierte Verdachtsflächen ausgewiesen worden. Bei Personen, die sich dort oder in neu deklarierten Strahlenschutzbereichen aufhalten, ist nun eine Kontaminationskontrolle vorgeschrieben. Schwangere Frauen, Kinder und Jugendliche dürfen gar nicht mehr in die Schachtanlage einfahren.

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