Wachsende Begehrlichkeiten

Norwegen und Russland legen Seegrenze in der Arktis fest

Nach jahrzehntelangen Streitigkeiten haben sich Norwegen und Russland auf ihre Seegrenze in der Arktis geeinigt. Dabei geht es nicht zuletzt um geradezu riesige Öl- und Gasvorkommen, die wegen des schmelzenden Polareises in naher Zukunft erschlossen werden können.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Oslo (afp/red) - "Diese Lösung ist mehr als eine Grenzlinie unter dem Ozean - es geht darum, gutnachbarschaftliche Beziehungen zu entwickeln", sagte der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem russischen Staatschef Dmitri Medwedew in Oslo. Die Einigung "wird uns mehr einen, als dass sie uns trennt", fügte Stoltenberg hinzu. Sie sei wichtig für die beiderseitige Zusammenarbeit.

Norwegen und die Sowjetunion, später dann Russland, hatten bereits seit 1970 um ein Abkommen gerungen, das ein Gebiet von 176.000 Quadratkilometern in der Arktis und der Barentssee zwischen ihnen aufteilt. "Je länger das gedauert hätte, umso mehr wären die Spannungen gewachsen", sagte Medwedew. Nun wurde das umstrittene Gebiet zu nahezu gleichen Teilen den beiden Seiten zugeschlagen.

Angesichts des schmelzenden Polareises wachsen die Begehrlichkeiten zur Nutzung der frei werdenden Meeresgebiete. Immer nördlichere Öl- und Gasfelder könnten erschlossen werden, Fischfangflotten weiter vordringen und die bisher fast immer vom Eis verschlossene Nordost-Passage könnte den Seeweg zwischen Europa und Asien drastisch verkürzen. Nach Einschätzung des Geologischen Dienstes der USA (USGS) könnten sich in der Arktis 90 Milliarden Barrel Öl und 30 Prozent der weltweiten Erdgasreserven befinden. Zu den fünf Arktis-Anrainerstaaten zählen neben Russland und Norwegen auch Dänemark, Kanada und die USA.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Ölbohrung

    Wende beim Öl-Poker: Preise für Benzin und Diesel fallen weiter

    Benzin und Diesel sind so günstig wie seit Monaten nicht mehr und ganz ähnlich sieht es bei den Preisen für Heizöl aus. Ursache dafür sind die sinkenden Preise beim Rohöl. Bisherige Maßnahmen, um den Preisverfall zu stoppen, haben ihre Wirkung verfehlt.

  • Ölförderung

    Ölpreise ziehen deutlich an

    Die Ölpreise sind auf den höchsten Stand seit dem Sommer 2015 geklettert. Hintergrund ist die Einigung der Opec und zwölf weiterer Länder, die Ölfördermengen zurückzuschrauben.

  • Strompreise

    Energieagentur erwartet höhere Ölnachfrage in OECD-Ländern

    Die Nachfrage nach Rohöl in den Industriestaaten wird dieses und kommendes Jahr höher liegen als zuletzt von der Internationalen Energieagentur (IEA) angenommen. Die wirtschaftliche Lage in den Vereinigten Staaten und in China und damit auch der dortige Ölverbrauch seien stärker als gedacht, hieß es im monatlichen Ölmarktbericht der IEA am Donnerstag.

  • Handytarife

    Mit Fonic auch ins Ausland für 9 Cent pro Minute telefonieren

    Ab Mittwoch kosten Gespräche vom Fonic-Handy in 50 häufig angewählte Länder nur noch 9 Cent pro Minute. Bislang ist der Preis mehr als zehn Mal so hoch - 99 Cent. Der Fonic-Vorstoß ist der erste seiner Art.

  • Strom sparen

    DIW: Niedriger Ölpreis kann neue Energiekrise auslösen

    Der niedrige Ölpreis kann nach Einschätzung von Experten mittel- und langfristig negative Folgen haben, weil er die Erschließung neuer Ölquellen weniger rentabel macht. Nach der Finanzkrise drohe der Welt daher "eine neue Energiekrise", mahnte Claudia Kemfert vom Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in der "Wirtschaftswoche".

Top